Simbabwes Präsident überlebt Anschlag bei Wahlkampfkundgebung

Präsident Mnangagwa bei der Kundgebung

Fünf Wochen vor der Wahl in Simbabwe hat Präsident Emmerson Mnangagwa knapp einen Anschlag überlebt. Ein Sprengkörper detonierte am Samstag in unmittelbarer Nähe des Präsidenten auf einer Wahlkampfkundgebung in der Oppositionshochburg Bulawayo. Nach Angaben der Polizei wurden 49 Menschen verletzt, einige von ihnen schwer. Unter den Verletzten waren auch zwei Vizepräsidenten und die Vorsitzende der Regierungspartei Zanu-PF.

Mnangagwa ging von einem gezielten Mordanschlag aus. Nach seinen Angaben explodierte der Sprengsatz nur wenige Zentimeter von ihm entfernt. "Ich bin derartige Versuche gewöhnt", sagte der Präsident am Samstagabend im staatlichen Rundfunk. Auf Facebook schrieb er später: "Wir werden nicht zulassen, dass dieser feige Akt unseren Weg zu den Wahlen stört." Die Regierung schloss eine Verschiebung der für den 30. Juli geplanten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen aus und verhängte den Ausnahmezustand. Die Polizei nahm Ermittlungen auf.

Die Detonation entfaltete offenbar große Kraft: Mehrere der Verletzten hätten Gliedmaßen verloren, teilte das Gesundheitsministerium mit. Nach Angaben des Präsidialamts wurde Vizepräsident Kembo Mohadi am Bein verletzt, der zweite Vizepräsident Constantino Chiwenga erlitt Prellungen im Gesicht. Auch Chiwengas Frau sei verletzt worden, ebenso die Zanu-PF-Vorsitzende Oppah Muchinguri-Kashiri.

Die Explosion ereignete sich am Samstag bei einer Kundgebung, zu der sich tausende Menschen in einem Stadion in Bulawayo versammelt hatten. Videoaufnahmen zeigten, wie rund um den Präsidenten Rauch aufstieg, als er die Bühne verließ.

Wer hinter dem Anschlag steckt, war zunächst unklar. Die Stadt Bulawayo im Süden des Landes ist eine Hochburg der Opposition. Mnangagwa wird von Kritikern eine Mitverantwortung an den Massakern in der Region in den 1980er Jahren unterstellt, bei denen rund 20.000 Regierungsgegner umgebracht wurden.

Politische Beobachter hielten es aber auch für denkbar, dass der Anschlag mit Machtkämpfen innerhalb der Regierungspartei Zanu-PF zu tun haben könnte. Der am Amherst College in den USA lehrende simbabwische Politikprofessor Chipo Dendere machte "interne Verwerfungen in der Zanu-PF" verantwortlich. Der Anschlag werde den Ton im Wahlkampf verändern: "Alles wird angespannter sein. Es ist das erste Mal, dass wir einen so eklatanten Anschlag erleben."

Bei der Wahl am 30. Juli sollen die Bürger nach Jahrzehnten autoritärer Herrschaft ihre Führung erstmals wieder frei wählen können. Mnangagwa tritt gegen den 40-jährigen Oppositionsführer Nelson Chamisa an. Auch das Parlament wird neu gewählt.

Mnangagwa war nach der Entmachtung des langjährigen Staatschefs Robert Mugabe im November an die Staatsspitze getreten. Mugabe hatte Simbabwe seit der Unabhängigkeit 1980 politisch dominiert. Unter seiner Herrschaft waren Wahlen von Einschüchterung, Korruption und Gewalt geprägt.

Mnangagwa entstammt Mugabes Machtapparat. Der 75-Jährige beteuerte aber immer wieder, dass die Wahlen frei und fair ablaufen sollen.

In einer Audiobotschaft appellierte er am Sonntag an die Bürger des südafrikanischen Landes, sich nicht von Unruhestiftern beirren zu lassen. "Im November sind wir alle zusammengekommen, motiviert vom Traum eines freien, demokratischen und wohlhabenden Simbabwe, eines friedlichen Simbabwe", sagte er. Einige Leute versuchten nun, diesen Traum zu zerstören. "Ich versichere Euch, es wird ihnen nicht gelingen", sagte Mnangagwa. "Wir als Volk müssen vereint sein."