„New York Times“-Verleger legt sich mit Trump an


Als der 37-Jährige zu Beginn des Jahres die Leitung der „New York Times“ antrat, war das ein schwerer Schritt. Als Herausgeber muss Arthur Gregg Sulzberger das Traditionshaus in heiklen Zeiten in die Zukunft führen. Aber viel schwerer dürfte es Sulzberger gefallen sein, am 20. Juli das Weiße Haus zu betreten.

Es war ein Gipfeltreffen der verfeindeten Lager: Der Spross der Verlegerfamilie des altehrwürdigen Identifikationsblatts der amerikanischen Linken traf den populistischen Präsidenten Donald Trump mit seiner Vorliebe für Fox News.

Nach dem Willen der Trump-Berater sollte das Treffen eigentlich geheim bleiben. Doch die Twitter-Finger des Präsidenten waren mächtiger – und mit einem Tweet stieß er selbst die Berichte darüber an.

Die Darstellung des Ereignisses könnte unterschiedlicher kaum sein: Laut Trump hatte er ein „gutes und interessantes Treffen“ mit Sulzberger gehabt. Man habe über die „riesigen Mengen Fake News“ gesprochen und „wie diese Fake News sich zur Redewendung ‚Feind des Volks‘ gewandelt“ hätten.


Arthur Gregg Sulzberger – kurz A. G. genannt – hat das Treffen ganz anders in Erinnerung: Er teilte mit, er habe Trump gemahnt, seine Angriffe auf Journalisten zu überdenken. Trumps Sprache sei „nicht nur polarisierend, sondern zunehmend gefährlich“.

Das gelte besonders im Ausland, wo manche Regierung sich durch Trumps Rhetorik gerechtfertigt fühle, gegen Journalisten vorzugehen. „Ich habe gewarnt, dass das Leben gefährdet, dass es die demokratischen Ideale unserer Nation schwächt und dass es eines unserer großartigsten Exportgüter untergräbt: ein Bekenntnis zu Meinungsfreiheit und einer freien Presse.“

Trump konterte daraufhin per Twitter, er werde einen Ausverkauf des Landes „durch Anti-Trump-Hasser in der sterbenden Zeitungsbranche“ nicht zulassen. Die „angeschlagene ‚New York Times‘“ und die „Amazon Washington Post“ schrieben „nichts als schlechte Geschichten, auch über Erfolge“.

Erfahrener Journalist

In Wahrheit kann die „New York Times“ seit einiger Zeit wieder Erfolge vorweisen. Die digitale Strategie, die auf bezahlte Inhalte setzt, geht auf: Die Gewinne legen zu, und auch die Auflage steigt seit der Wahl von Donald Trump – zur Freude der Sulzbergers.


Mit seinem Trump-Treffen wird Sulzberger nun selbst zur Story. Als gelernter Journalist sollte er medienerfahren genug sein. Das journalistische Handwerk hat A. G. eher bescheiden beim „Providence Journal“ erlernt. Eine Ostküsten-Zeitung mit einer Auflage von nur 70.000, aber dafür die älteste Zeitung der USA.

Tradition wird bei den Sulzbergers groß geschrieben. Seit 166 Jahren liegt die Leitung der „New York Times“, der zweitgrößten Zeitung des Landes, in den Händen der Familie. A. G. ist der Sohn des Herausgebers Arthur Sulzberger jr., der ein Vierteljahrhundert im Amt war.

Bevor er dem Vater in die großen Fußstapfen folgte, bewährte sich A. G. in verschiedenen Stationen bei der „New York Times“: in der New Yorker Lokalredaktion ebenso wie als Bürochef in Kansas-City. Doch jetzt führt er wahrscheinlich den Kampf seines Lebens.