Verkehrsplanung: Bürgervereine und Politiker diskutieren Umgehungsstraße in Porz

Die Porzer haben andere Vorstellungen als die städtischen Mitarbeiter.

Einstimmigkeit zwischen fast allen Parteien der Bezirksvertretung und den Bürgervereinen, das ist selten. Doch wenn es um den Verkehr in Porz geht, fordern alle Akteure einhellig eine Entlastung für den Bezirk. Eine neue Umgehungsstraße soll die Autofahrer möglichst um die Wohngebiete herumführen.

Damit dieses seit Jahren geplante Vorhaben endlich umgesetzt wird, haben sich die Porzer Bürgervereine mit den Bezirksvertretern zusammengesetzt. Die Verwaltung war bei dem Treffen im Rathaus ausdrücklich ausgeklammert. Denn sowohl die Politiker als auch die Bürger fühlen sich von den städtischen Mitarbeitern in Bezug auf die geforderten Verkehrsplanungen schlecht informiert.

Drei unterschiedliche Varianten werden aktuell diskutiert

Diskutiert und geprüft werden seit langer Zeit drei unterschiedliche Varianten: eine Umgehungsstraße für Zündorf mit Anschluss an die Frankfurter Straße über die Houdainer Straße (Variante 1) oder mit einem direkten Anschluss an die Autobahn 59 (Variante 3) sowie einen Verlängerung der L 269 in Niederkassel über die Liburer Straße hinaus als neue L 274n bis hin zur Frankfurter Straße (Variante 2). Von der Verwaltung wird die Variante 1 bevorzugt.

Eine Machbarkeitsstudie, auf die die Verwaltungsmitarbeiter ihre Entscheidung stützen, wurde Ende Mai der Bezirksvertretung und den Bürgervereinen vorgestellt. Darin wird die Variante 1 unter anderem als kostengünstigste und am schnellsten zu realisierende dargestellt. Dem widersprechen Hans Baedorf und Simin Fakhim-Haschemi, Sprecher der vernetzten Porzer Vereine. Zu viele Fragen seien nach wie vor unbeantwortet und außerdem gebe es viele fachliche Fehler in den Ausführungen der Verkehrsexperten, bemängeln die beiden. Die Kosten für Variante 1 etwa seien viel zu niedrig angesetzt, so Baedorf. Als Beispiele nennt er etwa die häufigen millionenschweren Kostensteigerungen bei Bahn-Unterquerungs- und Brückenbauwerken, die bei Variante 1 nötig wären.

Der Bürgerverein will eine Verlängerung der Landstraße L 269

Deshalb nun das neuerliche Treffen ohne die Mitarbeiter der städtischen Verwaltung. „Mit uns wird es die Variante 1 nicht geben“, versprach Werner Marx, CDU-Fraktionschef. Auch die Vernetzung der Bürgervereine mit mehr als 2000 Mitgliedern lehnt die Variante 1 ab. Sie sind sich sicher, dass der Verkehr an den umliegenden Kreisverkehren und beim Linksabbiegen auf die Autobahn zum Erliegen käme. Die Bürgervereine plädieren für Variante 2, auf der der Verkehr aus dem Rhein-Sieg-Kreis über eine Verlängerung der Landstraße L 269 zwischen Libur und Uckendorf geführt würde, durch die Spicher Kiesseen-Landschaft bis hin zum Anschluss an die Frankfurter Straße. „So werden wir den Verkehr aus dem Rhein-Sieg-Kreis schon vor Porz auf die B 8 und A 59 umleiten“, argumentiert Baedorf.

Ein Problem sind allerdings die Planungen für eine mögliche neue Rheinbrücke (A 553) und der damit verbundene Anschluss an die A 59 in Höhe der Ausfahrt Lind. Die mögliche neue Autobahn als überregionale Verkehrsverbindung hat höhere Priorität und verhindert an vielen Stellen konkretere Schritte für die Ortsumgehung. Die Gesprächsteilnehmer im Rathaus waren sich allerdings einig, dass eine mögliche neue Rheinbrücke die Planungen für eine Umgehungsstraße für Porz nicht auf Jahre hinaus verzögern darf. „Wir sollten mit unseren Entscheidungen Einfluss auf die zukünftige Linienführung einer neuen A 553 nehmen“, fordert Baedorf. Die Bürgervereine haben auch schon einen offenen Brief an die Verkehrsdezernentin Andrea Blome und Klaus Harzendorf, Leiter des Amtes für Straßen und Verkehrstechnik, geschickt, in dem sie den Bürgerwillen zur Trassenführung darlegen.

Das letzte Wort hat der Rat der Stadt

Trotz jahrelanger Diskussionen fehlen aber immer noch verlässliche Zahlen über die zu erwartenden Verkehrsströme, je nachdem welche Straßen und Neubaugebiete errichtet werden. „Wir haben alle das Gefühl, das eine neue Straße Entlastung bringt, doch wir brauchen belastbare Zahlen, die das belegen“, sagt Lutz Tempel von der SPD. Ein Schritt in diese Richtung haben die Bezirksvertreter auf ihrer Juni-Sitzung gemacht. Die Politiker haben einstimmig einen Antrag verabschiedet, in dem die Ausweitung der aktuellen Machbarkeitsstudie angemahnt wird.

Allerdings können die Bezirksvertreter nicht über den Bau einer neuen Straße entscheiden. Der Rat der Stadt ist das Beschlussorgan. Mit Anträgen und Beschlüssen in der BV  versuchen die Stadtteilpolitiker aber, ihre Kollegen im Rat zu beeinflussen und ein Zeichen an die Politiker auf Landesebene, die über eine neue Rheinbrücke entscheiden, zu geben. Abschließend begrüßten alle Teilnehmer den Austausch und bekräftigten den Willen zur weiteren Zusammenarbeit.

Ob den Absichtserklärungen auch konkrete Anträge folgen, wird sich am heutigen Donnerstag, 6. Juli, bei der Bezirksvertretungssitzung zeigen. Die öffentliche Sitzung findet allerdings nicht im Rathaus statt, sondern um 17 Uhr auf dem Gelände der Luftwaffenkaserne Wahn an der Flughafenstraße 1....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta