Verkauf des Luxus-Möbelherstellers Rolf Benz an Chinesen verärgert die Konkurrenz

Rolf Benz wird nach China verkauft. Mitbewerber Joachim Link, CEO von Interstuhl, äußert seinen Unmut darüber in einem öffentlichen Brief.


Der deutsche Luxusmöbel-Hersteller Rolf Benz kommt in chinesische Hände. Der bisherige Eigentümer des Polsterspezialisten, die Hüls-Gruppe aus dem Münsterland, bestätigte am Freitag den Verkauf des baden-württembergischen Tochterunternehmens aus Nagold an den chinesischen Möbelhersteller Jason Furniture.

Der „Schwarzwälder Bote“ berichtete in seiner Online-Ausgabe, zuletzt sei von der Hüls-Gruppe mit fünf Bietern verhandelt worden. Der Rolf-Benz-Vorstandsvorsitzende Jürgen Mauß sieht dem Bericht zufolge in dem Eigentümerwechsel vor allem Chancen für das Unternehmen: Rolf Benz werde internationaler, könne auf dem Asienmarkt stärker wachsen und auch sein Onlinegeschäftsmodell ausbauen.

Der Verkauf des baden-württembergischen Sofa-Herstellers Rolf Benz an den chinesischen Investor Jason Furniture sorgt für ungewöhnlichen Ärger bei einem Konkurrenten. In einem offenen Brief wirft der Chef von Interstuhl, Joachim Link, den Verantwortlichen des Verkaufs fehlendes Verantwortungsbewusstsein vor und warnt vor „massivem Abbau von Arbeitsplätzen“ im Land.

Die Kritik richtet sich an die Industriellenfamilie Hüls, zu deren Hülsta-Werken auch die im Schwarzwald ansässige Firma Rolf Benz gehört. Der Verkaufspreis wurde nicht genannt, wird aber in der Branche auf „zwischen 40 und 50 Millionen Euro“ geschätzt.



Interstuhl hatte sich selbst Chancen ausgerechnet, den Zuschlag bei Rolf Benz zu bekommen, da das eigene Angebot „eher über dem der Chinesen gelegen habe“, betonte Firmen-Chef Link. Die Entscheidung gegen Interstuhl und für einen ausländischen Bieter hält Link für unverständlich.

Der offene Brief von Link ist äußerst ungewöhnlich. Es muss zu einem ordentlichen Krach zwischen den Möbel-Unternehmerfamilien Link und Hüls gekommen sein. Beide Familien kennen sich seit Jahren. Er sei fest davon überzeugt, dass sich der Verkauf nach China negativ auf „die Firma Rolf Benz, auf Süddeutschland und die Möbelbranche insgesamt“ auswirke, schreibt Link in seinem Brief. Die Chinesen würden nun „in China produzierte Möbel in Deutschland und Europa platzieren und damit Marktanteile von lokalen Herstellern übernehmen“ . Dies schade der angeschlagenen Möbelbranche immens.

Interstuhl selbst gilt mit 160 Millionen Euro Umsatz als größter familiengeführter Hersteller von Bürostühlen. Auch Labor- und Industriestühle bauen die Schwaben. Erst kürzlich hatte Link dem Handelsblatt gesagt, dass er noch Nachholbedarf bei Sitzlandschaften sieht, da die Kunden im Projektgeschäft nicht nur Bürostühle ordern, sondern ganze Bürolandschaften. Die renommierte Polstermöbelsparte Rolf Benz hätte Intersuhl gut ergänzt und auch Expertise für Sitzlandschaften mitgebracht.

Mit dem Verkauf von Rolf Benz kommt erneut ein chinesischer Investor im deutschen Mittelstand zum Zuge. in den vergangenen Jahren waren bereits Maschinenbauer wie Putzmeister, Schwing, Krauss-Maffei, Manz, Kuka und Autozulieferer wie Kiekert und Koki ganz oder teilweise in chinesischer Hand gekommen. Auch Daimler hat seit Kurzem einen Großaktionär aus dem Reich der Mitte.