Der Verkauf von Laudamotion an Ryanair ist Niki Laudas größter Coup

Mit der Übernahme durch Ryanair sichert Niki Lauda den Betrieb der früheren Air-Berlin-Tochter Niki. Doch nicht alle werden begeistert sein.


Niki Lauda, früherer Formel-1-Rennfahrer, hat seinem Ruf mal wieder alle Ehre gemacht und für eine handfeste Überraschung gesorgt: In geheimen Verhandlungen hat er den britischen Billigflieger Ryanair als Aktionär ins Boot geholt. Der Vereinbarung zwischen Ryanair und Lauda zufolge wird die irische Gesellschaft zunächst einen Anteil von 24,9 Prozent an Laudamotion übernehmen.

Dieser Anteil soll dann „so schnell wie möglich“ auf 75 Prozent erhöht werden – dafür sei aber die Erlaubnis der europäischen Wettbewerbsbehörden erforderlich, heißt es in Dublin. Der frühere Rennfahrer Lauda soll Chairman der Gesellschaft werden und „die Umsetzung seiner Strategie eines erfolgreichen, österreichischen Billigfliegers“ begleiten. 

„O‘Leary und ich sind uns schnell einig geworden“, verkündete der Luftfahrtunternehmer an Bord seines Premierenfluges. Der 69-Jährige kündigte an, die Flotte mit Hilfe von Ryanair auf 30 Jets innerhalb von zwei Jahren aufstocken zu wollen. „Man muss eine kritische Größe erreichen“, sagte Lauda zur Begründung. „Mit der Ryanair bekomme ich einen Turbo“, sagte Lauda. „Ich bin darüber sehr froh.“


Ryanair werde Laudamotion finanziell unterstützen und für den Sommer sechs Flugzeuge über eine sogenannte „Wet-Lease“-Vereinbarung zur Verfügung stellen, damit Laudamotion seine Pläne umsetzen könne.

Die Transaktion, mit der wohl keiner in der Branche gerechnet hatte, passt gleichwohl ins Bild. Denn Lauda sichert damit den noch immer wackeligen Flugbetrieb und minimiert sein persönliches Risiko. Zunächst war der Verkauf von Niki an Lufthansa aus kartellrechtlichen Gründen gescheitert. Dann scheiterte auch der Verkauf an die britisch-spanische IAG, weil das Insolvenzverfahren von Deutschland nach Österreich verlegt wurde. 

Niki Lauda hat sich zwar nach einer abenteuerlichen Entwicklung die wesentlichen Vermögenswerte der früheren Niki, die von ihm einst gegründet wurde, gesichert. Doch der Neustart des Flugbetriebs von Laudamotion am 25. März, also in wenigen Tagen, stand auf tönernen Füßen. Laudamotion konnte zunächst nur mit sechs Jets starten.


Zur Niki-Flotte gehören nun elf Flugzeuge, drei Eurowings-Jets und sechs Flugzeuge von der Ryanair, um die Slots der früheren Niki abzufliegen. Die Vorgänger-Airline hatte vor ihrer Pleite 60.000 genehmigte Start- und Landerechte, sogenannte Slots.

„Mit der Ryanair komme ich auf perspektivisch auf 20 Jets und kann so meine 40.000 Slots abfliegen“, sagte Lauda in Düsseldorf. „Wettbewerb belebt die Sinne.“ Auf unrentable Strecken der Niki habe er freiwillig verzichtet.

Deren Kapazität hat Lauda weitgehend über eine Partnerschaft mit der zu Thomas Cook gehörenden Ferienfluggesellschaft Condor vermarktet. Die versicherte auf Anfrage, dass sich an dieser Partnerschaft nichts ändere. „Wir begrüßen den positiven Einfluss, den Ryanairs Anteil auf die wachsende Laudamotion haben wird.“ Am Standort Düsseldorf werden fünf Laudamotion-Flugzeuge stationiert sein.

Doch für das geplante Wachstum auf 21 Jets im Sommer braucht Lauda die Unterstützung eines weiteren Partners. Das sollte eigentlich Eurowings sein, die Lufthansa-Tochter. Der zuständige Lufthansa-Konzernvorstand Thorsten Dirks befindet sich seit Wochen in Gesprächen mit Lauda, weil er ebenfalls Kapazitäten für das weitere Wachstum sichern möchte. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte noch letzte Woche vom Zugriff auf bis zu zehn Flugzeuge gesprochen. 


Gleichzeitig muss Lufthansa Lauda nach Vorgabe der EU-Kartellwächter Flugzeuge überlassen, die man sich von Niki im vergangenen Jahr im Vorgriff auf die dann gescheiterte Übernahme gesichert hatte. Ob diese Gespräche nach dem Ryanair-Einstieg fortgesetzt werden, ist unklar. Bei Lufthansa wollte man sich zunächst nicht äußern.

Es ist aber schwer vorstellbar, dass sich Eurowings Kapazitäten bei einer Airline sichert, die zum Reich des Erzrivalen zählt. Ryanair-Chef Michael O'Leary jedenfalls konnte sich einen Seitenhieb auf die Konkurrenz nicht verkneifen. Laudamotion werde nun noch schneller wachsen und so versuchen, ein Wettbewerber zu werden, „in einem Markt, den Lufthansa und ihre Tochtergesellschaften in Österreich und der Schweiz mit ihren hohen Ticketpreisen beherrschen“.

Auch in der Belegschaft der früheren Niki dürfte die überraschende Wende auf ein geteiltes Echo stoßen. Nicht nur müssen sich die Mitarbeiter nun innerhalb weniger Wochen erneut auf einen neuen Besitzer einstellen. Auch kommt mit Ryanair ein Mehrheitsaktionär in das Unternehmen, dessen Arbeitsbedingungen umstritten sind.


Ähnlich wie auch Lauda arbeitet Ryanair zum Teil mit einer Anstellung etwa des fliegenden Personals über Leiharbeitsfirmen. Dabei hat Lauda gerade erst Gespräche mit den Belegschaftsvertretern über einen sogenannten Kollektivvertrag gestartet, also einen Tarifvertrag mit klaren Regeln. Der Einstieg von Ryanair dürfte die Unsicherheit nun erneut steigern.

Die Kosten für die Übernahme von bis zu 75 Prozent durch Ryanair belaufen sich nach Einschätzung der irischen Fluggesellschaft auf weniger als 50 Millionen Euro. Die gleiche Summe will Ryanair noch einmal für Anlaufkosten im ersten Jahr und operative Kosten beisteuern. Im dritten Jahr soll das Unternehmen dann schwarze Zahlen schreiben. Lauda hat nach eigenen Aussagen rund 50 Millionen Euro investiert.