Verhinderte Bieterschlacht in Darmstadt: Der Tag mit Bloomberg

(Bloomberg) -- Übernahmen börsenotierter Unternehmen sind in Deutschland generell schwieriger als anderswo, vor allem wenn der Käufer Finanzinvestor ist. Beim Darmstädter Adabas-Entwickler Software AG läuft es derzeit jedoch selbst für deutsche Verhältnisse bemerkenswert. Hauptaktionär Software AG Stiftung und Management haben sich voll und ganz dem Verkauf an Silver Lake Management verschrieben. Ein mögliches Wettbieten mit dem rivalisierenden Interessenten Bain Capital soll offenbar nicht stattfinden.

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Wenn Bloomberg nicht über Bains Gebot berichtet hätte, wüssten die Aktionäre der Software AG nicht mal, wer es gestellt hat und vielleicht auch nicht, wieviel geboten wurde, denn die Mitteilung der Software AG ist ein Musterbeispiel an kryptischer Intransparenz. “Erhielten... ein vorläufiges, unverbindliches Angebot... keine Absicht, in Gespräche... einzutreten... Medienspekulationen über ein angebliches Angebot... Dieses unverbindliche Angebot war an bestimmte Bedingungen geknüpft, die nicht erfüllt werden konnten.”

“Nicht erfüllt” werden kann die Bedingung von Bain tatsächlich nicht, da die (übrigens der Waldorfschul-Ideologie Anthroposophie verschriebene) Stiftung offenkundig nicht an Bain verkaufen will, auch nicht zu dem bisher eindeutig höchsten Gebot von 34 Euro je Aktie. Warum genau, dazu hüllt sich die Stiftung in Schweigen. Dass alle anderen Aktionäre die Gründe für die Präferenz teilen, darf getrost bezweifelt werden.

AKTUELLE MELDUNGEN:

  • Sergio Ermotti wird laut einem Bericht der Financial Times schon in dieser Woche sein neues Führungsteam bei der UBS bekannt geben. Dabei dürfte er einige wichtige Topmanager der Credit Suisse an Bord behalten.

  • Die Volkswagen AG wird sich laut einem Bericht von Reuters von fast allen Vorstandsmitgliedern seiner problemgeplagten Softwaresparte Cariad trennen.

  • Die französische Großbank BNP Paribas hat rund 500 offene Stellen in Deutschland und sieht eine Verschärfung des Mangels an passenden Mitarbeitern.

  • EZB-Rat Klaas Knot hat zur Eindämmung der Kerninflation die Notwendigkeit weiterer Zinserhöhungen betont.

  • US-Finanzministerin Yellen zufolge droht “finanzielles und wirtschaftliches Chaos”, sollte der Kongress nicht bis Anfang Juni die Schuldenobergrenze anheben.

  • Warren Buffett schimpfte bei der Hauptversammlung seiner Holdig Berkshire Hathaway am Samstag auf gescheiterte US-Banker.

ANALYSEN:

  • Der Ausverkauf von US-Bankaktien droht die Notierungen unter eine charttechnische Schwelle zu drücken, die der breiteren Börse neues Ungemach verheißt. Hedgefonds indessen setzen zunehmend auf Anleihen europäischer Banken.

  • Höhere Kapitalanforderungen und strikteres Aufsicht machen europäischen Großakteuren im Leveraged-Loan-Bereich wie BNP und Deutsche Bank zu schaffen, wie Bloomberg Intelligence ausführt. 2022 schrumpfte das Neugeschäft 40%, 2023 ging es weiter abwärts.

AKTIENMÄRKTE | Japans Börse startete nach den Feiertagen der letzten Woche mit Kursverlusten wieder in den Handel. Der Nikkei-Index gab 0,6% nach. Freundlich tendierte der Aktienmarkt indessen in Hongkong und auf dem chinesischen Festland. Die Wall Street schloss am Freitag sehr fest nach drei Handelstagen mit deutlichen Einbußen. Regionalbanken erholten sich vom brutalen Ausverkauf, dem sie im Nachgang des First-Republic-Zusammenbruchs erlitten hatten. Die Titel von PacWest, die auf ein Rekordtief gefallen waren, kletterten mehr als 80%. In London bleiben die Börsen nach der Krönung von König Charles III feiertagsbedingt geschlossen. Für den Handel in Frankfurt signalisieren die Futures zum Auftakt eine Seitwärtsbewegung.

RENTENMÄRKTE | Am europäischen Staatsanleihenmarkt waren es am Freitag die Renditen, die deutlich zugelegt haben. US-Beschäftigungszahlen fielen stärker aus als erwartet und nährten den Risikoappetit, Bankaktien erholten sich. Am Mittwoch stehen die April-Zahlen zur Entwicklung der amerikanischen Verbraucherpreise an, am Donnerstag fällt die Bank of England ihre nächste Zinsentscheidung. Heute äußert sich am Nachmittag EZB-Chefvolkswirt Lane.

ROHSTOFFMÄRKTE | Der Ölmarkt erholt sich zum Wochenstart weiter, nachdem die Preise ihren vorangegangenen Sturz am Freitag mit einem Plus von rund 4% eingegrenzt hatten. Gegenüber dem Jahreswechsel sind die Rohölpreise mehr als 10% gesunken, da die aggressivste Straffungskampagne der US-Notenbank seit einer Generation Rezessionssorgen schürt. Im Fokus steht der Opec-Monatsbericht am Donnerstag. Gold legt am Montag wieder zu, nachdem es in der jüngsten Rally am Freitag zu einem Rücksetzer kam.

TERMINE AM MONTAG

  • Quartalszahlen: Hypoport, Qbeyond, Jungheinrich, Biontech, Berkshire Hathaway, Adtran, Paypal

  • Konjunkturdaten: DE/Produktion im produzierenden Gewerbe, DE/Sentix-Konjunkturindex

  • 09:00 Bundesbankvizepräsidentin Buch, Rede bei Retail-Banken-Tag der Börsen-Zeitung

  • 11:30 Wirtschaftsminister Habeck, Keynote beim Forum New Economy, Berlin

  • 15:00 OECD-Wirtschaftsbericht und Umweltprüfbericht für Deutschland, PK mit OECD-Generalsekretär Cormann, Wirtschaftsminister Habeck und Umweltministerin Lemke

  • 15:15 Finanzminister Lindner, Rede beim Deutschen Steuerberaterkongress, Hamburg

  • 16:00 EZB-Chefvolkswirt Lane, Rede bei Veranstaltung des Forum New Economy

  • 19:00 Wirtschaftsminister Habeck, EU-Wettbewerbskommissarin Vestager auf Podiumsdiskussion

  • Börsenfeiertag Großbritannien

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