Verhaltenes Comeback der Biotech-Werte

Wer Biotech-Aktien kauft, kann bahnbrechende Kursentwicklungen erleben – mit Glück. Zunächst sind vor allem Geduld und starke Nerven gefragt. Welche Aktien Zukunftspotenzial versprechen.


Die Aktie des Biotech-Unternehmens Brain ist seit Juli kräftig gestiegen. Das Ende der Fahnenstange ist aber noch lange nicht erreicht, sagt Thomas Retzlaff von der Hallertauer Vermögensmanagement: „Die Aktie ist meiner Meinung nach unterbewertet und vom Markt noch nicht so richtig wahrgenommen worden.“ Der Vermögensverwalter nimmt am jährlichen Depot Contest des Onlinebrokers DAB BNP Paribas teil, über den das Handelsblatt berichtet. Er hält die Brain-Aktie seit dem Sommer in seinem Musterdepot. „Die Firma ist extrem innovativ, hat starke Köpfe und ist in Bereichen aktiv, die jetzt schon lukrativ sind und spätestens in zwei bis drei Jahren das gesamte Unternehmen in die Gewinnzone führen werden“, ist er überzeugt. Derzeit notiert die Aktie bei etwa 21 Euro, Retzlaffs Kursziel liegt bei 29 Euro. „Wir haben Zeit und Geduld, um dieses Ziel zu erreichen.“

Geduld sollten Anleger bei Biotech-Aktien generell mitbringen. Die meisten Werte leben von der Hoffnung auf bahnbrechende Entwicklungen, die sich eines Tages in einem explodierenden Gewinn manifestieren sollen. Außer Zeit brauchen Anleger starke Nerven, weil Kurse von Biotech-Titeln häufig stark schwanken, wenn das jeweilige Unternehmen Neuigkeiten aus der Entwicklungspipeline bekanntgibt. Nach jahrelanger Rally ging Benchmarks wie dem Nasdaq Biotechnology Index zudem in der letzten Zeit die Puste aus. Auslöser waren drohende Preisregulierungen und das Auslaufen wichtiger Patente. Seitdem steigen die Kurse nur zögerlich. Vermögensverwalter Peter Didczys sieht aber keine strukturellen Probleme der Branche: „Alles in allem sehe ich die Konsolidierung der letzten zwei Jahre nur als eine kurze Phase des Durchatmens.“


Wer die Aktie eines Biotech-Unternehmens in den Anfängen erwischt, das dann weder pleitegeht noch von der etablierten Pharmakonkurrenz aufgekauft wird, kann bahnbrechende Kursentwicklungen erleben: „Amgen ist ein gutes Beispiel dafür“, sagt Didczys. Das anfängliche Zockerpapier ist heute ein Bluechip und mehr als 100 Milliarden Dollar schwer. Didczys zieht Parallelen zu heutigen Biotech-Titeln. Er hält in seinem Musterdepot Aktien der US-amerikanischen Biogen und deren Spin-off Bioverativ. „Beide Werte werden zu historisch niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnissen gehandelt, verfügen aber über exzellente Produktpipelines“, erklärt er.

Biotech-Aktien können zudem aus portfoliostrategischer Sicht sinnvoll sein. „Die Werte sind grundsätzlich vom gesamtwirtschaftlichen Zyklus unabhängig“, sagt Friedemann Wagner, Geschäftsführer der Stuttgarter PEH Vermögensmanagement. „Die Produkte unterliegen in der Regel langen Zyklen, die von Innovation und Forschung angetrieben werden.“ Im Krisenjahr 2008 wurden Biotech-Titel kaum von der Aktienmarktkorrektur in Mitleidenschaft gezogen. „Biotech-Werte mögen zwar volatil sein, können jedoch gleichzeitig sehr gut das Portfolio diversifizieren“, sagt Wagner.


Er hält in seinem Depot die Aktie des weltgrößten Enzymherstellers Novozymes aus Dänemark. Ende vergangenen Jahres war der Kurs abgestürzt und Friedemann kaufte die Aktie. Seitdem liegt sie mit fast 30 Prozent im Plus und ist damit aus Sicht des Vermögensverwalters nicht mehr billig.

Der Kurs der auf Biotech-Firmen spezialisierten Beteiligungsgesellschaft BB Biotech ist dagegen zuletzt nicht recht vom Fleck gekommen. Profis hatten der Aktie mehr zugetraut: „Das Unternehmen verfügt über ein erstklassiges Management“, sagt Robert Bauer von der Vermögensverwaltung Mademann & Kollegen, der den Wert zwischenzeitlich im Musterdepot hielt und wieder verkauft hat. „Aktuell profitiert der Wert entgegen unserer ursprünglichen Einschätzung nicht von der guten Stimmung an den Märkten.“ Es sei anzunehmen, dass bei einer Korrektur an den Börsen auch BB Biotech weiter unter Druck gerät.