Vergiss die Lufthansa! Ryanair ist der wahre König der Lüfte

Dennis Zeipert, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Airlines auf der ganzen Welt rufen nach staatlichen Hilfen. Allein die Lufthansa (WKN: 823212) wird wohl von der Bundesregierung finanzielle Hilfen im Volumen von 9 Mrd. Euro bekommen. Dazu kommen noch weitere Beträge von den Regierungen der übrigen Länder, in denen die Airline tätig ist.

Doch eine bekannte Airline stemmt sich gegen diese Entwicklung und rechnet nicht damit, auf externe Hilfen angewiesen zu sein. Die Rede ist von Ryanair (WKN: A1401Z). Die von CEO Michael O’Leary geführte Airline, der sich nie für einen Kommentar zu schade ist.

O’Leary hat die Konkurrenz und die jeweiligen Regierungen hart dafür verurteilt, die Schwäche der Airlines durch staatliche Hilfen auszugleichen.

Doch wieso steht Ryanair so viel besser da als der Rest der Branche?

Die starke Bilanz hilft Ryanair durch die Krise

Nun, zuerst einmal ist natürlich auch Ryanair schwer getroffen von den aktuellen Flugbeschränkungen. Aktuell können weniger als 20 Flüge pro Tag durchgeführt werden, was einem Rückgang um mehr als 99 % gegenüber den ursprünglichen Plänen entspricht.

Das belastet die Bilanz natürlich in erheblichem Maße. Im aktuellen Geschäftsquartal, das seit April läuft, wird mit einem Verlust von mehr als 100 Mio. Euro gerechnet. Und auch im nächsten Geschäftsquartal sind Verluste zu erwarten. Doch aufgrund der sehr starken Bilanz mit Liquiditätsreserven von etwa 3,8 Mrd. Euro und einer nur geringen Verschuldung von 700 Mio. Euro sieht man sich für die Krise gut gewappnet.

Zwar werden die Liquiditätsreserven zweifellos sinken, da aber in diesem Jahr keine Anleihen fällig werden, zehren momentan nur die laufenden Kosten, wie beispielsweise die Personalkosten, an der Liquidität.

Auch an den Finanzmärkten sieht man Ryanair wohl deutlich vor der Lufthansa. Seit Jahresanfang sind zwar die Aktien beider Unternehmen ähnlich stark gefallen, doch während sich die Ryanair-Aktie von ihren Tiefstständen bereits wieder deutlich erholen konnte, scheint die Lufthansa nur noch weiter zu fallen.

Der Grund dafür ist natürlich die Unsicherheit darüber, wie viele Aktien im Gegenzug für die staatlichen Hilfen ausgegeben werden müssen. Denn je mehr neue Aktien auf den Markt geworfen werden, desto geringer ist der Anteil, den jeder dieser Anteilsscheine repräsentiert.

Ryanair ist fast 3 Mal so viel wert wie die Lufthansa

Das hat inzwischen dazu geführt, dass die Lufthansa an der Börse beim aktuellen Kurs von 7,84 Euro (Stand: 08.05.2020) kaum mehr als 3 Mrd. Euro wert ist, während Ryanair beim derzeitigen Kurs von 9,65 Euro je Aktie (Stand: 08.05.2020) auf eine Bewertung von mehr als 10 Mrd. Euro kommt.

Auch langfristig betrachtet sehe ich die Lufthansa hinter Ryanair zurückfallen. Denn zum einen ist die Bilanz bereits heute mit einer verhältnismäßig großen Verschuldung von mehr als 6 Mrd. Euro belastet, die sich durch die staatlichen Hilfen noch erhöhen wird.

Daher ist damit zu rechnen, dass man über die nächsten Jahre stark aufs Geld schauen muss. Ein großer Teil der Gewinne wird dafür aufgewendet werden müssen, die Verschuldung zu verringern. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass genügend Geld in die Flugzeugflotte fließt, um konkurrenzfähig zu bleiben. Ein klassischer Zielkonflikt also.

Ryanair dagegen profitiert davon, nur geringe Schulden in der Bilanz zu haben und noch dazu über eine hohe Liquidität zu verfügen. Sobald die Flüge also wieder aufgenommen werden können, dürfte Ryanair voll im Angriffsmodus durchstarten und dem deutschen Konkurrenten langfristig davonlaufen.

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Dennis Zeipert besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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