Vergewaltigungsverfahren gegen südkoreanischen Ex-Präsidentschaftsbewerber

Wegen Vergewaltigungsvorwürfen hat die südkoreanische Justiz ein Ermittlungsverfahren gegen den früheren Präsidentschaftsbewerber Ahn Hee Jung eingeleitet. Der Politiker wurde formell der Vergewaltigung und der sexuellen Belästigung seiner Ex-Assistentin beschuldigt

Wegen Vergewaltigungsvorwürfen hat die Justiz in Südkorea ein Ermittlungsverfahren gegen den früheren Präsidentschaftsbewerber Ahn Hee Jung eingeleitet. Der prominente Politiker wurde am Mittwoch formell der Vergewaltigung und sexuellen Belästigung seiner früheren Assistentin beschuldigt, wie die Staatsanwaltschaft in Seoul mitteilte. Es ist der bekannteste Fall, der in Südkorea im Zuge der #MeToo-Debatte öffentlich geworden ist.

Eine Mitarbeiterin Ahns hatte dem Politiker Anfang März in einem Fernsehinterview vorgeworfen, sie vier Mal vergewaltigt zu haben. Der damalige Gouverneur der Provinz Süd-Chungcheong trat daraufhin zurück und entschuldigte sich. Er spricht aber von "einvernehmlichem" Sex.

Ahn soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft im kommenden Monat erstmals befragt werden. Ein von der Staatsanwaltschaft beantragter Haftbefehl wurde von einem Gericht abgelehnt.

Ahn war im vergangenen Jahr im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei seinem Parteifreund Moon Jae In unterlegen, der dann im Mai zum Staatschef gewählt wurde. Ahn war vor allem bei jungen, liberalen Südkoreanern beliebt. Er galt bis zum Bekanntwerden der Vergewaltigungsvorwürfe als potenzieller Kandidat für Moons Nachfolge im Jahr 2022.

Im Zuge der Debatte um sexuelle Belästigung haben sich in den vergangenen Monaten auch in Südkorea immer mehr Frauen als Opfer prominenter Männer zu erkennen gegeben. Missbrauchsvorwürfe wurden unter anderem gegen den bekannten Regisseur Kim Ki Duk laut. In der stark männerdominierten südkoreanische Gesellschaft trauen sich aber weiterhin viele Frauen nicht, offen über derartige Erfahrungen zu sprechen.