Vergeltung für Istanbul: Türkei attackiert kurdische Ziele in Nordsyrien und Nordirak

Eine Woche nach dem tödlichen Bombenanschlag in Istanbul hat die Türkei eine Militäroffensive gegen kurdische Stellungen in Nordsyrien durchgeführt, wie die von den USA unterstützten kurdischen Streitkräfte mitteilten.

Betroffen waren demnach die Regionen Kobane und Aleppo. Dabei seien mindestens zwölf Menschen getötet und weitere verletzt worden, teilte ein Sprecher syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Angaben der YPG zufolge wurden auch Posten der syrischen Regierung angegriffen. Auch im Nordirak wurden angeblich Ziele getroffen.

Das Verteidigungsministerium in Ankara berief sich auf das Recht zur Selbstverteidigung laut Charta der Vereinten Nationen. In einer Twittermeldung in der Nacht zum Sonntag war von "Abrechnungszeit" die Rede "terroristische Elemente" sollten neutralisiert und Angriffe auf die Türkei verhindert werden.

Im Fokus der Attacken stehen die Kurdenmilizen YPG und die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, die von Ankara für den Istanbuler Anschlag verantwortlich gemacht werden, bei dem sechs Menschen getötet und über 80 weitere verletzt wurden. Die militanten kurdischen Gruppen haben jedoch eine Beteiligung bestritten.

Die Ermittlungen laufen, am Freitag wurden 17 Menschen verhaftet. PKK und YPG streiten eine Beteiligung deutlich ab und unterstellen der Türkei, mit der Anschuldigung einen Vorwand für einen erneuten Militäreinsatz in Nordsyrien geschaffen zu haben. Auch unabhängige Experten äußerten solche Vermutungen, zumal der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bereits seit Monaten eine solche Offensive angekündigt hatte.

Der Konflikt zwischen türkischen Streitkräften und PKK hat eine jahrzehntelange Geschichte und bisher Tausende Opfer gefordert - laut der Organisation International Crisis Group wurden dabei mehrheitlich PKK-Mitglieder und Verbündete getötet.