Geht die Online-Strategie von Walmart doch nicht auf? Investoren schicken die Aktie auf Talfahrt. Das könnte voreilig gewesen sein.


Fast zehn Prozent rauscht die Walmart-Aktie am Dienstag ins Minus. Grund: Die neuen Zahlen des weltgrößten Einzelhändlers für das vierte Quartal. Der Gewinn lag niedriger als erwartet und Investoren fürchten, dass die jüngste Online-Strategie des Konzerns aus Bentonville in Arkansas doch nicht so aufgeht wie gedacht.

Obwohl Walmart die Umsatzerwartungen übertroffen hat, schaut die Wall Street vor allem auf eine Zahl: das Wachstum im Online-Geschäft. Und das ist zwischen November und Januar nur um 23 Prozent gestiegen – weniger als erhofft. In den Quartalen davor lag der Anstieg bei mehr als 50 Prozent.

Gerade im wichtigen Weihnachtsquartal ist das ein enttäuschendes Ergebnis. Zudem kommt es zu einem Zeitpunkt, in dem es so aussah, als hätte Walmart seinen Weg in den E-Commerce gefunden.


In den letzten Quartalen hatte der Einzelhändler trotz der schier übermächtigen Konkurrenz durch Amazon immer wieder die Erwartungen des Markts übertroffen. Und das in Zeiten, in denen Kaufhausketten wie Sears, Kohl's und Macy's kriseln und eine Filiale nach der anderen schließt.

Angesichts des Siegeszuges von Amazon hat Walmart sein Online-Geschäft in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut. Das Unternehmen hat den Onlinehändler Jet.com gekauft. Es war der größte Zukauf in der Firmengeschichte. Aber auch kleinere Anbieter wie Bonobos, Moosejaw, Hayneedle and Shoe Buy gehören heute dem Konzern.

Dabei geht Walmart einen besonderen Weg, um das traditionelle Ladengeschäft nicht zu vernachlässigen. Auf seiner Website versucht der Konzern sogar, die Kunden in die Läden zu locken. So zeigt Walmart etwa im Netz an, wie viel das Produkt im Laden kosten würde – in der Regel ist es etwas billiger. Das Unternehmen hofft, dass damit so mancher Kunde doch die Filiale besucht und vielleicht das ein oder andere Produkt zusätzlich seinen Weg in den realen Einkaufskorb findet.

Vielleicht haben daher zu viele Kunden offline statt online gekauft. Es ist aber wohl zu früh, um in Panik zu verfallen. Ganz abgesehen davon, dass die Ausgangszahlen für den Vergleich im Onlinehandel mittlerweile höher und damit prozentuales Wachstum schwieriger geworden ist, sollte man auch einen Sondereffekt beachten: Im vergangenen Jahr hatte auch die Übernahme von Jet.com das Wachstum nach oben getrieben.


Das Netto-Ergebnis lag im vierten Quartal auch deshalb niedriger, weil Walmart im Zuge der Steuerreform den Mindestlohn angehoben und einen Bonus gezahlt hat.

Sicher wären bessere Zahlen erfreulicher gewesen. Aber der Aktienkurs von Walmart hat bereits eine sagenhafte Rally hinter sich, von der andere Einzelhändler nur träumen können. Ende Januar erreichte der Kurs seinen absoluten Höchstpunkt. Eine Korrektur war daher vielleicht auch an der Zeit. Der Konzern ist an der Börse immer noch mehr als 280 Milliarden Dollar wert.

Außerdem hat Walmart in der Vergangenheit schon mehrfach bewiesen, dass die Investoren und Analysten falsch lagen. Den Zukauf von Jet.com hatten viele als zu teuer kritisiert – später erwies er sich als Heilsbringer.

Auch eine Lohnerhöhung in der Vergangenheit über insgesamt 2,7 Milliarden Dollar jährlich wurde vom Markt bestraft: Der Börsenwert verlor damals 21 Milliarden Dollar. Tatsächlich sind sich heute alle einig, dass die Mitarbeiter seitdem motivierter, die Läden sauberer und die Kunden zufriedener sind.

Der CEO Douglas McMillon hat vor wenigen Monaten in New York beklagt, dass Amazon viel mehr experimentieren kann, während die Walmart-Aktionäre sofort Rendite sehen wollen. Es bleibt zu hoffen, dass seine Experimente längerfristig aufgehen. Wie das gehen kann, macht der Erzrivale Amazon vor.