Verdi kritisiert nach Urteil im Schlecker-Prozess fehlende Unternehmensverantwortung

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat das milde Urteil gegen den Drogeriemarktgründer Anton Schlecker kritisiert. "Man weiß nicht, ob die Überweisung von vier Millionen Euro zur Schadensregulierung kurz vor dem Urteil das Gericht im Fall Anton Schlecker milde gestimmt hat", erklärte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Montag in Berlin. "Davon bekommt allerdings keine ehemalige Schlecker-Frau einen neuen Arbeitsplatz oder ihr entgangenes Gehalt."

Das Urteil gegen Schlecker und seine Kinder Lars und Meike sei die "Antwort des Rechtstaates auf diese Form der Wirtschaftskriminalität und fehlende Unternehmensverantwortung", erklärte Nutzenberger. "Die Wut und die Verbitterung der 27.000 Frauen, die von heute auf morgen auf die Straße gesetzt und ihrer Existenzgrundlage beraubt wurden, hat die jetzt Verurteilten nie interessiert."

Stattdessen habe sich die Unternehmerfamilie Schlecker öffentlich selbst bemitleidet und gleichzeitig Millionen Euro aus dem Geschäft verschwinden lassen. Der Schlecker-Bankrott habe die Existenzgrundlage vieler Frauen vernichtet, die teilweise heute noch arbeitslos sind und von Hartz IV leben müssen.

"Schlecker war ein Familienunternehmen, das sich nur um die eigene Familie, aber nie um die Familien der Beschäftigten gekümmert hat", kritisierte Nutzenberger. Die Uneinsichtigkeit der Unternehmensleitung habe zu der Insolvenz geführt. Warnungen und Hinweise der Schlecker-Betriebsrätinnen vor der extremen wirtschaftlichen Schieflage des Unternehmens hätten Schlecker nicht interessiert.

Anton Schlecker wurde vom Landgericht Stuttgart zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt, seine Kinder Lars und Meike zu Haftstrafen von jeweils mehr als zweieinhalb Jahren.