Verdi hält im ÖPNV trotz Krise an Tarifforderungen fest

BERLIN (dpa-AFX) - Trotz der Corona-Krise will die Gewerkschaft Verdi bei den anstehenden Tarifverhandlungen im Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) an ihren Forderungen festhalten. "Der Druck bei den Beschäftigten ist enorm groß", sagte die stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende, Christine Behle, am Mittwoch in Berlin. "Es gibt kein Interesse daran, jetzt von diesen Forderungen abzuweichen." Die Gewerkschaft hatte Ende Juni die 16 Landestarifverträge gekündigt und will diese bei den Neuverhandlungen erstmals mit einem bundesweiten Mantelvertrag ergänzen.

"Die Tarifverträge haben sich unheimlich auseinander entwickelt", sagte Behlen. Ziel der bundesweiten Verhandlungen sei deshalb eine Angleichung der Arbeitsbedingungen, etwa bei den Urlaubstagen, Überstundenregelungen und Einstiegsgehältern. Seit zwei Jahrzehnten führe ein restriktiver Sparkurs dazu, dass immer mehr Personal abgebaut werde. Die Arbeitsbelastungen seien seither deutlich gestiegen und in vielen Fällen nicht mehr hinnehmbar. Schon vor der Corona-Krise sei das System völlig unterfinanziert gewesen. Verdi strebt Verhandlungen ab dem 16. August an.

Weil in der Corona-Krise trotz niedriger Fahrgastzahlen ein Großteil des Angebots aufrecht erhalten wurde, fielen für die ÖPNV-Unternehmen hohe Verluste an. Bund und Länder haben zugesagt, einen Großteil davon auszugleichen. Sie unterstützen die öffentlichen Unternehmen mit jeweils 2,5 Milliarden Euro.

Unterstützung bekam Verdi am Mittwoch von der Klimabewegung Fridays for Future, die sich mit den Anliegen der Beschäftigten solidarisierte. "Sie arbeiten länger als sie eigentlich wollen, sie werden zu wenig bezahlt und sie haben zu wenig Urlaub", sagte Klima-Aktivistin Helena Marschall. Die Bewegung werde "gemeinsam streiten für eine dringend nötige klimagerechte Verkehrswende und gute Arbeitsbedingungen in den Jobs der Zukunft."