Verdacht auf Stimmenkauf bei Olympia-Vergabe an Rio 2016

Fahnder haben wegen der umstrittenen Vergabe der Olympischen Sommerspiele an Rio de Janeiro 2016 mehrere Korruptionsverfahren eingeleitet

Die brasilianische Polizei hat wegen des Verdachts auf Stimmenkauf vor der Vergabe der Olympischen Sommerspiele an Rio de Janeiro 2016 eine Großrazzia vorgenommen. Ermittler durchsuchten am Dienstag in ganz Rio de Janeiro Häuser von Mitgliedern des Nationalen Olympischen Komitees. Die Staatsanwältin Fabiana Schneider sagte während einer Pressekonferenz, Verbandspräsident Carlos Nuzman sei ein "zentrales Element" des mutmaßlichen Korruptionsnetzwerks.

Die Polizei erklärte, sie habe wegen des Verdachts auf Stimmenkauf Ermittlungen gegen ein "internationales Korruptionsnetzwerk" eingeleitet. Demnach durchsuchten 70 Beamte elf Anwesen, nahmen säckeweise Unterlagen mit und stellten zwei Haftbefehle aus. Unterstützt wurden die brasilianischen Ermittler von Fahndern aus den USA und Frankreich. Unter ihnen befand sich auch der französische Anti-Korruptionsrichter Renaud van Ruymbeke.

In Frankreich gibt es in der Angelegenheit bereits Ermittlungen. Die bei der Pressekonferenz vertretene Nationale Finanzstaatsanwaltschaft Frankreichs (PNF) erklärte, es gebe Hinweise darauf, dass Stimmen von Mitgliedern des Leichtathletik-Weltverbands (IAAF) und des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gekauft worden seien.

Der 75-jährige Nuzman wurde von der Polizei verhört, sein Pass wurde beschlagnahmt. Gegen den in Miami lebenden brasilianischen Unternehmer Arthur Soares, der sich im Zusammenhang mit Olympia lukrative Aufträge sicherte, wurde Haftbefehl erlassen. Seine ehemalige Geschäftspartnerin Eliane Pereira Cavalcante wurde festgenommen.

Schneider zufolge soll Soares - in Brasilien als "König Arthur" bekannt - vor der entscheidenden Abstimmung im IOC am 2. Oktober 2009 in Kopenhagen 1,5 Millionen Dollar Schmiergeld an den Senegalesen Papa Massata Diack überwiesen haben, den Sohn des damaligen IAAF-Präsidenten und IOC-Mitglieds Lamine Diack. Nuzman sei als Vermittler zwischen Soares und Diack und allgemein zwischen "Geschäftsleuten und IOC-Vertretern" aufgetreten.

Der ehemalige Gouverneur des Bundesstaates Rio de Janeiro, Sergio Cabral, der für öffentliche Bauaufträge umfangreiche Bestechungsgelder erhalten haben soll, wurde im Juni wegen Korruption zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Nuzmans Anwalt Sergio Mazzillo wies alle Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurück. Er habe sich keinerlei "Unregelmäßigkeiten" zuschulden kommen lassen, alles sei mit rechten Dingen zugegangen.

Die französische Zeitung "Le Monde" hatte berichtet, am 2. Oktober 2009 - dem Tag, an dem Rio den Zuschlag erhielt - habe Papa Massata Diack, mächtiger IAAF-Marketingberater, 239.300 Dollar an den ehemaligen namibischen Weltklassesprinter Frankie Fredericks überwiesen. Fredericks war bei der IOC-Sitzung in Kopenhagen Wahlprüfer.

Wegen der Vorwürfe trat er im März als Vorsitzender der IOC-Kommission zurück, die die Bewerbungen für die Olympischen Spiele 2024 begleitet. Im Juli suspendierte der Leichtathletik-Weltverband Fredericks.