Verdächtiger wegen Massakers im Bosnienkrieg in Bayern festgenommen

Ein wegen der Entführung und Ermordung muslimischer Zivilisten zu Beginn des Bosnienkriegs gesuchter Mann ist in der Umgebung von München festgenommen worden. Das 51-jährige Ex-Mitglied der bosnisch-serbischen Truppen solle nun an Bosnien ausgeliefert werden, teilte die Staatsanwaltschaft in Sarajevo am Montag mit. Dem Beschuldigten Milorad Obradovic wird vorgeworfen, im Juli 1992 an der Verschleppung von 120 muslimischen Zivilisten in der Region Prijedor beteiligt gewesen zu sein.

Die Gefangenen wurden später erschossen. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Obradovic, drei von ihnen im Fußballstadion von Prijedor persönlich getötet zu haben. Neun frühere Mitglieder der bosnisch-serbischen Polizei und Armee müssen sich im Zusammenhang mit den Taten seit April in Sarajevo vor einem Gericht verantworten. Ein weiterer Verdächtiger wurde im Dezember in Montenegro festgenommen.

In der Region um Prijedor wurden nach bosnischen Angaben während des Kriegs insgesamt 3200 Menschen von den bosnisch-serbischen Einheiten getötet. Etwa hundert Massengräber wurden bislang entdeckt. Mehr als 770 Opfer gelten weiterhin als verschollen.