Verbraucherverband fordert mehr Klarheit über Aromen in Lebensmitteln

Einkaufswagen im Supermarkt

Viele Verbraucher fühlen sich nur unzureichend über Zutatenmengen und den Zusatz von Aromen in Lebensmitteln informiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Projekts Lebensmittelklarheit, die der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) am Mittwoch vorstellte. "Informationen über Zutatenmengen und Aromen dürfen sich nicht im Kleingedruckten verstecken", forderte vzbv-Vorstand Klaus Müller.

"Wenn Produkte mit exklusiven Zutaten werben, davon aber nur Mini-Mengen und zusätzlich Aromen drin sind, muss das klar und deutlich vorne auf der Verpackung stehen", forderte Müller. Der Studie zufolge wünschen sich 83 Prozent der Befragten, dass auf einen Aromazusatz schon auf der Verpackungsvorderseite hingewiesen wird.

Die Studie untersuchte, welche Erwartungen fiktive, aber an realen Produkten orientierte Verpackungen in unterschiedlicher Aufmachung bei den Befragten wecken. Demnach fühlen sich Verbraucher weniger getäuscht, wenn bereits auf der Vorderseite der Anteil einer prominent beworbenen Zutat in Prozent angegeben wird - selbst wenn nur wenig von dieser Zutat enthalten ist.

Der vzbv fordert deshalb, die Menge beworbener Zutaten in Prozent auf der Vorderseite anzugeben. Bislang sei nicht vorgeschrieben, wo dieser Hinweis stehen müsse; kleine Mengen seien komplett von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen.

Das Misstrauen der Verbraucher gegenüber Produktaufmachungen und Herstellern ist der Studie zufolge groß. Selbst wenn sich etwa auf einem Joghurtbecher kein Hinweis auf Aromen findet, vermuten demnach drei Viertel der Befragten Aromen im Produkt. 84 Prozent der Verbraucher glauben, dass Verpackungen die Lebensmittel oft besser darstellen, als sie in Wirklichkeit sind. Dieses "Misstrauensvotum" sei alarmierend, erklärte der vzbv. Nur mit einer besseren Kennzeichnung könnten die Hersteller Vertrauen zurückgewinnen.

Der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft BLL wies die Kritik an Produktetiketten hingegen zurück und warnte vor pauschalen Urteilen. Die deutsche Lebensmittelwirtschaft kennzeichne ihre Produkte nach dem Grundsatz "was drauf steht, muss auch drin sein", erklärte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des BLL, Marcus Girnau.

Allerdings gäben die Hersteller mit Text- und Bild-Informationen auf Verpackungen den Käufern nicht nur Hinweise auf geschmacksgebende Zutaten, sondern auch auf die Geschmacksrichtung eines Produkts, erklärte Girnau weiter. "Bei einem Erdbeerbonbon ist klar, dass die abgebildete Erdbeere nicht die wertgebende Zutat des Bonbons bildet, sondern ein Hinweis auf die Geschmacksrichtung ist", fügte er hinzu.