Verbraucherschützer nehmen sich schwarze Schafe der Energiebranche vor

Nach windigen Anlageberatern und dubiosen Internetanbietern knöpfen sich die Verbraucherschützer jetzt die Energiebranche vor. "Wir wollen Licht ins zwielichtige Dunkel werfen", sagte Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller der Nachrichtenagentur AFP. In den Verbraucherzentralen seien Beschwerden über Drückerkolonnen für Stromanbieter oder fehlerhafte Heizkostenabrechnungen "ein Dauerbrenner". Derzeit werten die Marktwächter-Experten in den Verbraucherzentralen und ihrem Bundesverband (vzbv) diese Beschwerden aus - Anfang 2018 will vzbv-Chef Müller erste Ergebnisse vorlegen.

Die Liberalisierung des Energiemarktes vor zwanzig Jahren mit der daraus entstandenen Angebotsvielfalt sei "in der Theorie ein Segen" gewesen, sagte Müller. Doch auf dem Markt tummelten sich auch viele schwarze Schafe: "Sie drängen Verbrauchern ungewollte Haustürgeschäfte auf, belästigen sie mit Telefonwerbung, erschleichen sich die Zählernummer von Strom- und Gaskunden." Der Marktwächter Energie prüft derzeit zum Beispiel, wo Drückerkolonnen unterwegs sind, und ob vielleicht sogar Auftraggeber identifiziert werden können.

Bei Heizkostenabrechnungen habe eine regional begrenzte Untersuchung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz ergeben, dass jede zweite fehlerhaft sei, sagte Müller. Hier untersuchen die Verbraucherschützer, ob das auch bundesweit so ist: "Wir schauen, ob unser gefühltes Unbehagen berechtigt ist."

Auch die Ablesedienste haben die Marktwächter-Experten unter die Lupe genommen. "Hier teilen die fünf größten Anbieter 70 bis 80 Prozent des Marktes unter sich auf", erklärte Müller - ein klassisches Oligopol, das erstmals strukturiert untersucht werde.

Im kommenden Jahr folgt dann der Fernwärmemarkt: "Bundesweit gibt es etwa fünf Millionen sogenannte gefangene Kunden", sagte der vzbv-Chef - sie sind Vertrags- oder Preisänderungen ihres Anbieters ausgeliefert und können nichts dagegen tun. Auf dem Fernwärmemarkt "kennt die Preisentwicklung nur eine Richtung: nach oben", kritisierte Müller. Wie es auf diesem Monopolmarkt mit der Transparenz aussieht, wollen die Verbraucherschützer beleuchten.

Beim vzbv und in den Verbraucherzentralen beobachten die Marktwächter Finanzen bereits seit März 2015 Angebote für Geldanlagen und Altersvorsorge, Immobilienfinanzierung und Versicherungen sowie den grauen Kapitalmarkt. Die Experten für die Digitale Welt überwachen und informieren seitdem über den Online-Handel, digitale Güter oder Dienstleistungen. Sie prangern nicht nur Missstände an, sondern arbeiten mit den Aufsichtsbehörden zusammen und gehen auch juristisch gegen schwarze Schafe vor.

Finanziert wird die Arbeit der Expertenteams von der Bundesregierung mit jeweils fünf Millionen Euro im Jahr bis 2019. Der Marktwächter Energie startete im August dieses Jahres. Finanziert wird das Projekt vorerst nur bis August 2018, und zwar mit 1,5 Millionen Euro. Damit werden die Strukturen aufgebaut und erste Erkenntnisse gewonnen. vzbv-Chef Müller appellierte an die künftige Bundesregierung, auch dieses Projekt langfristig zu unterstützen.