Verbraucherschützer kritisieren Kosten scharf

Die Riester-Rente soll die Lücke bei der gesetzlichen Rente stopfen. Doch es gibt scharfe Kritik – insbesondere an den Kosten. Verbraucherschützer fordern nun neue Wege in der privaten Altersvorsorge.


Die Kosten für die Riester-Rente sind aus Sicht von Verbraucherschützern in den meisten Fällen zu hoch. Von wenigen Ausnahmen abgesehen würden Produkte angeboten, „die die Erwartungen der Politik an kosteneffiziente Angebote zur kapitalgedeckten Altersvorsorge nicht erfüllen“, kritisierte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Die Experten hatten insgesamt 18 Produkte - klassische Rentenversicherungen und fondsgebundene Modelle - mit unterschiedlichen Laufzeiten unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis: Die Effektivkosten - Wertminderung durch Kosten - waren in den meisten Fällen höher als Wert, der sich aus den Annahmen des Alterssicherungsberichts der Bundesregierung ergibt. Das geht aus einer Analyse des vzbv hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Im Extremfall sind die Kosten um das Fünffacher höher“, hieß es darin. Günstiger waren je nach Laufzeit nur bis zu maximal zwei Angebote für das staatlich geförderte Zusatzplus im Alter. Die Verbraucherschützer werteten die Produktinformationsblätter (Stand: April 2017) verschiedener Anbieter aus.


„Wir sind bei der Vielzahl der Produkte angesichts des Kosten weit davon entfernt, ausreichend Kapital für die private Absicherung neben der gesetzlichen aufzubauen“, kritisierte die Leiterin des vzbv-Finanzmarktteams, Dorothea Mohn. Insbesondere wegen der Vertriebskosten sei es offenbar nicht möglich, kosteneffiziente Produkte anzubieten.

Das Bundesarbeitsministerium wies darauf hin, dass es sich im Alterssicherungsbericht um modellhafte Berechnungen handele und nicht um Prognosen. Es gehe darum, „das Spektrum künftiger Veränderungen, die letztlich bei jedem Einzelfall individuell verschieden sind, auf wesentliche Erkenntnisse zu verdichten“.


In dem Modell wird grundsätzlich von einer Verzinsung der eingezahlten Beiträge (Eigenbeiträge plus Zulagen) von 4,0 Prozent ausgegangen. Als Verwaltungskosten werden 10 Prozent der eingezahlten Beiträge angesetzt. Daraus leiteten die Verbraucherschützer die Effektivkosten ab und verglichen sie mit den Angaben in den Produktinformationsblättern.

Mohn schlug vor, einen Vorsorgefonds einzuführen, der sich am schwedischen Modell orientiert und ohne eigene Gewinninteressen die Kapitalanlage organisiert. In dem Land gibt es einen staatlich organisierten Aktienfonds und einen Rentenfonds für die private Altersvorsorge. Die Anlage der Gelder übernehmen nach Ausschreibungen private Investoren. Die Beschäftigten zahlen automatisch ein, es sei denn, sie widersprechen ausdrücklich. Dadurch ist der Aufwand für den Vertrieb geringer. „Die Kosten liegen daher insgesamt deutlich unter denen der Riester-Produkte“, sagte Mohn.


Die Stiftung Warentest gab jüngst nur zwei klassischen Riester-Rentenversicherungen beim Thema „Rentenzusagen und Kosten“ die Note „gut“: Zum einen der Tarif „Riester Care (RA 2017S)“ der HanseMerkur (Note 2,0), zum anderen der Tarif „Riester Rente (RZU24)“ von Huk24 (2,5). Beide Tarife lagen mit der Gesamtnote „befriedigend“, das heißt mit 2,7 (HanseMerker) und 2,8 (Huk24) auf Platz zwei und drei im Gesamtranking.

Einschließlich weiterer Kriterien wie Anlageerfolg oder Flexibilität kam keines der neun getesteten Produkte über ein „befriedigend“ im Gesamtranking hinaus (Finanztest 10/2017). Auf dem ersten Platz mit der Gesamtnote 2,6 lag der Tarif „RiesterRente Klassik (ARS1U)“ der Allianz. Dieser erreichte beim Unterthema „Rentenzusagen und Kosten“ allerdings nur die Note „befriedigend“ (3,2).

Dennoch könne sich Riestern lohnen. „Hier gibt es staatliche Zulagen und Steuerersparnisse, die alleine schon für eine gewisse Rendite sorgen“, argumentierten die Tester.

Das Problem: Die Auswahl schrumpft. Es gibt immer weniger Versicherer, die klassische Riester-Rentenverträge mit Garantiezins anbieten. Dieses Modell sei jedoch ein Garant für eine planbare Altersvorsorge, argumentierte Stiftung Warentest. Vor fünf Jahren waren den Angaben zufolge noch 29 Riester-Klassiker im Test.