Verbraucherschützer und Ökonomen fordern Elementarschaden-Versicherung für alle

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Zerstörungen in Altenahr

Angesichts der Hochwasserkatastrophe ist eine Diskussion über die Versicherung von Hausbesitzern gegen sogenannte Elementarschäden entbrannt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) forderte die Versicherungsbranche am Dienstag auf, allen Hausbesitzern entsprechende Policen bereitzustellen - sie stehe "in der Pflicht, allen Verbrauchern einen bezahlbaren Versicherungsschutz anzubieten". Ähnlich äußerten sich Linke und SPD. Während Verbraucherschützer und Wirtschaftsexperten auch eine Pflichtversicherung ins Spiel brachten, lehnte die Versicherungswirtschaft dies ab.

Als Elementarschäden werden solche Schäden bezeichnet, die durch die Natur hervorgerufen werden. Neben Hochwasser gehören dazu zum Beispiel auch Hagel, Stürme, Erdbeben und Vulkanausbrüche. Nach Angaben des vzbv sind derzeit nur rund 45 Prozent der Privathäuser in Deutschland gegen solche Schäden geschützt.

Vzbv-Chef Klaus Müller forderte nun auch gesetzliche Maßnahmen. "Es muss unverzüglich das Prinzip der Allgefahrendeckung - wie in Großbritannien - im Gesetz verankert werden", sagte er der "Rheinischen Post". Damit hätten Verbraucherinnen und Verbraucher das Recht, dass ihre Häuser gegen alle Risiken abgesichert wären. Sie können aber auch einzelne Risiken abwählen.

Auch Linke und SPD plädierten für die Einführung einer Elementarschaden-Versicherung für alle Hausbesitzerinnen und -besitzer. "Wenn die existierenden Versicherungen die Betroffenen im Regen stehen lassen und der Staat nicht immer und womöglich noch häufiger riesige Summen an Steuergeldern aufwenden kann, könnte eine solche Elementarschaden-Pflichtversicherung künftig entstehende Schäden ausgleichen", sagte der Linken-Fraktionsvize André Hahn der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ).

Auch der SPD-Experte für Bevölkerungsschutz, Sebastian Hartmann, forderte eine "umfassende Versicherungslösung". Für alle, die sie benötigten, müsse es eine "bezahlbare Versicherung für Elementarschäden" geben, sagte er der "NOZ". Dies gelte sowohl bei großen Katastrophen wie auch bei kleineren Überschwemmungen.

Vzbv-Chef Müller brachte auch eine Pflichtversicherung ins Spiel: Sollte es innerhalb von zwei Jahren kein "breites Abdeckungsangebot" geben, werde eine Pflichtversicherung notwendig, erklärte er. Gleichwohl räumte Müller ein, dass eine Pflichtversicherung ein "hoher Eingriff in die Grundrechte" sei.

Auch die Ökonomin Monika Schnitzer, Mitglied der Wirtschaftsweisen, hält eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden für sinnvoll. So könne verhindert werden, "dass manche auf eine solche Versicherung verzichten, im Vertrauen darauf, im Katastrophenfall Hilfe durch den Staat zu erhalten", sagte sie der "Wirtschaftswoche". Dabei müssten sich allerdings die Prämien an den Risiken orientieren und es müsse eine regelmäßige Neubewertung geben.

Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, Gabriel Felbermayr, sprach sich ebenfalls für eine von der Privatwirtschaft bereitgestellte Pflichtversicherung aus. Diese müsse allerdings eine hohe Selbstbeteiligung haben, "damit die Anreize zum Selbstschutz aufrecht bleiben". Der Staat könne in einer Übergangsphase helfen, wenn Besitzer von Häusern in Überschwemmungsgebieten plötzlich mit hohen Prämien konfrontiert würden.

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) lehnte eine Pflichtversicherung als nicht nachhaltig ab. Es mangele in Deutschland nicht an Angeboten für einen Versicherungsschutz, sondern "an einem verantwortungsvollen Umgang mit Naturgefahren", sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen der "Rheinischen Post". Selbst in der höchsten Risikozone des Landes sei nur jedes vierte Haus gegen Hochwasser versichert.

Asmussen forderte zudem mehr Prävention, denn vielerorts komme die Klimafolgen-Anpassung zu kurz. "Noch immer wird in Überschwemmungsgebieten gebaut, werden Flächen ungehindert versiegelt, stauen sich auf kommunaler Ebene Investitionen in Präventionsmaßnahmen", sagte er der Zeitung.

hcy/jm

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