Wie ein verbotenes Land zur Box-Nation wurde

Sebastian Mittag

#WirsindBoxen: Am Samstag steigt der erste Kampfabend auf SPORT1 (ab 20 Uhr LIVE im Free-TV und im kostenlosen Stream).

2018 wird SPORT1 insgesamt 20 Events live übertragen. Der erste Abend im norwegischen Arendal wird dabei keine Boxveranstaltung wie jede andere. SPORT1 erklärt, warum.

- Norweger sind hungrig nach Boxen

Mehr als 30 Jahre lang hatten es Box-Fans in Norwegen schwer. Seit Anfang der 80er-Jahre waren professionelle Boxkämpfe in dem skandinavischen Land verboten. Der norwegische Sportverband und das Gesundheitsdirektorat hatten Bedenken wegen der gesundheitlichen Risiken des Sports.

Erst im Dezember 2014 kippte die Regierung das Verbot. Der Sport war zuvor wegen der Erfolge der norwegischen Profiboxerin Cecilia Braekhus immer populärer geworden - sie war zum Trainieren nach Berlin gezogen und durfte wegen der rechtlichen Lage nie in ihrem Heimatland kämpfen.

Das kann am Samstag Kai Robin Havnaa. Norwegens Box-Hoffnung im Cruisergewicht kommt aus dem 33.000-Einwohner-Ort Arendal und feiert nun seine Heimkehr.

Die norwegischen Fans, die so lange auf Profiboxen verzichten mussten, sind jetzt besonders heiß auf seinen Kampf gegen den Tschechen Daniel Vencl.

- Alkohol? Mangelware!

So wie lange Jahre beim Profiboxen, müssen die Norweger auch in Sachen Alkohol Verzicht üben. Der Verkauf ist streng reguliert - eine Folge des lange Zeit weit verbreiteten Alkoholmissbrauchs im Land.

An Wochentagen darf nach 20 Uhr kein alkoholisches Getränk mehr angeboten werden, an Samstagen nur bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen überhaupt nicht.

Im Supermarkt werden nur Bier und wenige andere Getränke mit niedrigem Alkoholgehalt angeboten. Stärkere alkoholische Getränke kann man nur in den staatlichen "Vinmonopolet"-Läden kaufen. Alkohol ist zudem im Allgemeinen sehr teuer.


Am Ort des Kampfabends in Arendal gibt es nur eine einzige Bar, in der Alkohol ausgeschenkt wird. Fans, die betrunken Richtung Halle torkeln, wird man also wohl vergeblich suchen. Die norwegischen Box-Liebhaber müssen sich an guten Kämpfen berauschen.

- Bunn muss kurzfristig ran

Eine echte Überraschung erlebte die deutsche Box-Hoffnung Leon Bunn. Eigentlich hätte Albon Pervizaj die deutsche Fahne in Norwegen hochhalten sollen. Doch der Schwergewichtler fiel kurzfristig wegen einer Viruserkrankung aus. Nun springt Halbschwergewichtler Bunn ein.

Nicht einmal zehn Tage vor dem Kampfabend erfuhr der 25-Jährige davon: Er wird in Arendal gegen Jozsef Racz aus Ungarn antreten.

Die äußerst kurze Vorbereitungszeit sieht Bunn aber nicht als Problem: "Ich bin sowieso in der Vorbereitung, am 17.2. kämpfe ich auch", erklärte er SPORT1: "Ich bin voll im Training und stehe gut im Saft."

SPORT1 zeigt dieses Jahr zwanzig Kampfabende live im Free-TV, unter anderem mit Arthur Abraham, Tyron Zeuge und Vincent Feigenbutz

- Räuber in der Ringecke

Wenn Kai Robin Havnaa in den Ring steigt, wird einer der bekanntesten Verbrecher Norwegens in seiner Ringecke stehen.

Havnaas Onkel Erling Havnaa war beteiligt am spektakulärsten Raub des Landes - dem sogenannten NOKAS-Raub. Bei dem brutalen Überfall auf ein Gelddepot der Firma NOKAS, die Bargeld für verschiedene Banken in Norwegen lagerte, wurden umgerechnet rund zehn Millionen US-Dollar erbeutet und ein Polizeibeamter getötet.

Erling Havnaa war einer von insgesamt 13 Gangstern, die das Depot in Stavanger mit schweren Waffen wie Maschinengewehren angriffen. Der Überfall war minutiös durchgeplant, die Räuber trugen kugelsichere Westen, Helme und Skimasken.

Um die Ankunft der Polizei am Tatort zu verzögern, platzierten die Täter einen brennenden Lastwagen vor der Ausfahrt der Polizeiinspektion, legten auf dem Weg Spikes aus, die die Reifen der Einsatzwagen zum Platzen bringen sollten und zündeten Rauchbomben.

Erling Havnaa wurde für seine Beteiligung an dem Raub zu 17 Jahren Haft verurteilt, nach Verbüßung von 14 Jahren wurde er freigelassen. Nun wird der frühere professionelle Kickboxer seinen Neffen in der Ringecke betreuen.