Verbindliche Angebote für die Krisenbank

Die Chancen für einen Verkauf der gesamten HSH Nordbank steigen. Den Mehrheitseignern Hamburg und Schleswig-Holstein liegen verbindliche Angebote vor – die wohl von Finanzinvestoren stammen dürften.


Die Mehrheitseigner der HSH Nordbank, die Länder Schleswig-Holstein und Hamburg, sind bei dem geplanten Verkauf einen Schritt weiter. Bis Freitagabend hatten Interessenten Zeit, ein bindendes Angebot abzugeben.

Am Sonntagnachmittag gaben der Hamburger Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) und die Finanzministerin von Schleswig-Holstein, Monika Heinold, eine erste Einschätzung ab: „Zum Stichtag 27. 10. 2017 sind aus dem Kreis der Bieter verbindliche Angebote für die HSH Nordbank abgegeben worden. Nach erster Sichtung bieten diese eine gute Grundlage, um den Verkaufsprozess fortsetzen zu können“, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Um welche Bieter es sich handelt, verrieten die Mehrheitseigner nicht. Aber es wird davon ausgegangen, dass nur noch Finanzinvestoren im Spiel sind. Zu den Interessenten zählen Christopher Flowers und Apollo, die wohl zusammen ein Angebot abgeben werden, Cerberus, Lone Star sowie ein Investor aus Großbritannien, der namentlich bislang nicht in Erscheinung trat.


Die Mehrheitseigner verrieten auch nicht, ob für die gesamte Bank Angebote abgegeben wurden oder nur für Teile. Nach Informationen aus Finanzkreisen beziehen sich aber alle Angebote auf die gesamte Bank. Die HSH Nordbank besteht aus einer funktionierenden Kernbank und einer defizitären Abbaubank. Die Brüsseler Behörde verpflichtete die beiden Bundesländer zu einem Verkauf, im Gegenzug gab es grünes Licht für gewährte Beihilfen.

In den vergangenen Monaten sind die Chancen für einen Verkauf der gesamten Bank deutlich gestiegen. HSH-Vorstandschef Stefan Ermisch geht davon aus, dass bis Ende 2018 nur noch faule Kredite in Höhe von 3,8 Milliarden Euro in der Abbaubank verbleiben werden. Diese wiederum sind zur Hälfte wertberichtigt. Die Risiken sind also beherrschbar.

Der Gewinn der HSH Nordbank könnte dabei auch noch etwas höher ausfallen als bisher erwartet. Nach einem Gewinnanstieg im Konzern zum 30. Juni 2017 auf 173 Millionen Euro vor Steuern werde der Vorsteuergewinn nach ersten Berechnungen zum 30. September etwas höher liegen, teilte die Bank mit. Das Neugeschäft entwickelte sich durchweg erfreulich und stieg in den ersten neun Monaten um rund zehn Prozent auf 6,4 Milliarden Euro.

Schon macht sich in Kiel und Hamburg vereinzelt die Hoffnung breit, einen sehr deutlich positiven Kaufpreis zu erzielen. Aber das ist Wunschdenken. Noch kann keiner sagen, an welche Bedingungen Finanzinvestoren die Übernahme knüpfen. Sollte die Privatisierung bis Februar 2018 wider Erwarten scheitern, ist der weitere Verlauf klar. Die Bank muss ihr Neugeschäft einstellen und geordnet abgewickelt werden.