Verbandschef ruft Waldbesitzer zu Sägestreik auf

·Lesedauer: 2 Min.
Plänterwald in Berlin

Der Preis für Holz auf dem Weltmarkt ist kräftig gestiegen - die deutschen Waldbesitzer profitieren nach eigenen Angaben aber nicht davon. Schuld seien die "wenigen Holzhandelskonzerne, die den Markt dominieren", sagte Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Wir werden regelrecht abgezockt." Schirmbeck forderte die Waldbesitzer daher auf: "Stoppt das Sägen! Lasst die Bäume stehen!"

Stark gestiegen ist der Zeitung zufolge vor allem der Preis für Schnittholz. Es werde vor allem nach Nordamerika und China exportiert, wo die Bau-Branchen boomen. Deutschlands Waldbauern - finanziell ohnehin durch Dürre und Borkenkäfer geschädigt - bekommen laut Schirmbeck aber "immer noch" im Schnitt zwischen 70 und 75 Euro pro Festmeter Fichtenholz. Die Handelskonzerne würden Schnittholz später für ein Vielfaches auf dem Weltmarkt weiterverkaufen.

"Wir fordern einen fairen Preis für unser Produkt. So geht das nicht weiter", sagte Schirmbeck der "NOZ". Die deutsche Möbelindustrie hatte zuletzt bereits von Engpässen bei der Versorgung mit Holzwerkstoffen berichtet. Auch das deutsche Baugewerbe beklagte stark gestiegene Einkaufspreise für Rohstoffe, unter anderem für Holz. "Es wäre genug Holz da", versicherte Schirmbeck. "Was wir da gerade sehen, ist eine riesige Spekulationsblase."

Der forstpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Karlheinz Busen, sagte AFP am Freitag, "unsere Hilfen für die Waldeigentümer kamen letztlich auch den Holzgroßhändlern zugute, weil der Holzeinschlag weitergehen kann". Statt die Holzversorgung in Deutschland sicherzustellen, kassierten die Händler beim Holzexport nun richtig ab. "Das ist unanständig."

Busen kritisierte, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) "verpennt das Problem". Dadurch "könnte die gesamte Bauwirtschaft in unserem Land abgewürgt werden". Der FDP-Politiker forderte daher: "Die Bundeslandwirtschaftsministerin und der Bundeswirtschaftsminister müssen dringend die Beteiligten in der Holzwirtschaft an einen Tisch holen."

In Frankreich warnte Landwirtschaftsminister Julien Denormandie angesichts der massiv steigenden Exporte nach China und in die USA vor einer "Katastrophe" für die heimische Forstwirtschaft. Der Vorsitzende des französischen Holzverbands FNB, Nicolas Douzain-Didier, sprach etwas nüchterner von einer "kritischen" Lage. Seit Oktober habe sich das Exportvolumen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdoppelt, "vor allem wegen China", sagte er. Branchenvertreter fürchten nun einen Holzmangel in Frankreich und steigende Preise für die Verbraucher.

ilo/lob/hcy