Verband wirft Politik 'gefährliches Spiel' mit Zukunftschancen vor

BERLIN (dpa-AFX) - Aus dem Mittelstand kommt massive Kritik am Kurs von Bund und Ländern in der Corona-Krise. In einem Brief des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft an Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder heißt es: "In großer Sorge um die Zukunft dieses Landes und um den Wohlstand seiner Bürger appellieren wir an die Politik: Beenden Sie die einseitige Fixierung auf eine rein virologische Sichtweise und damit das gefährliche Spiel mit den Zukunftschancen dieses Landes."

Es gehe um das Schicksal des deutschen Mittelstands, heißt es. "Wir fordern, dass künftig die Erfordernisse der Wirtschaft in Ihrer Corona-Politik einen deutlich höheren Stellenwert erhalten als bislang."

Laut einer Umfrage unter Mitgliedern in dieser Woche haben laut Verband 78,8 Prozent eine Beendigung des Lockdowns spätestens Ende Mai gefordert - ein Drittel habe sich für einen sofortigen "Exit" ausgesprochen.

Bund und Länder hatten am Donnerstag weitere vorsichtige Lockerungen der bundesweit geltenden Schutzmaßnahmen vereinbart. Größere Schritte sollen bei den nächsten Gesprächen am 6. Mai beraten werden.

In dem Brief an Merkel und die Länderchefs kritisiert die Spitze des Verbands, es sei noch kein konkreter Fahrplan für ein schrittweises Hochfahren der Wirtschaft vorgelegt worden. "Wir halten das für verantwortungslos." Stattdessen sei die Zahl der Kurzarbeit massiv gestiegen, Deutschland stehe vor dem größten Konjunktureinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Es drohe eine Pleitewelle unbekannten Ausmaßes, die die Existenz Hunderttausender Menschen binnen weniger Wochen vernichten könnte.

Der Verband sehe bei einer Fortsetzung der bisherigen Politik die erhebliche Gefahr einer dauerhaften Abhängigkeit der Wirtschaft von staatlichen Transferleistungen, heißt es weiter. "Das Coronavirus wird mit der Entwicklung eines Impfstoffs in absehbarer Zeit eingedämmt werden können, die Veränderungen der wirtschaftlichen Lebensgrundlagen unseres Landes könnten bis dahin irreversibel sein."