Immer mehr Rentner stehen bei Tafeln für kostenloses Essen an

Essensausgabe der Münchener Tafel

Bei den so genannten Tafeln zur Verteilung kostenloser Lebensmittel stehen immer mehr Rentner für Essen an. Inzwischen sei fast jeder vierte Kunde der Tafeln Rentner, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Tafeln in Deutschland, Jochen Brühl, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstagsausgabe). Die Zahl der Senioren, die auf dieses Angebot zurückgreifen, habe sich binnen zehn Jahren auf 350.000 verdoppelt.

Es sei ein Armutszeugnis für Deutschland, dass die Tafeln überhaupt notwendig seien, sagte die Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland, Ulrike Mascher der "NOZ". "Wenn 350.000 Senioren regelmäßig darauf angewiesen sind, bei den Tafeln für kostenlose Lebensmittel anzustehen, dann ist das ein deutlich sichtbares Signal dafür, dass die Altersarmut auf dem Vormarsch ist."

Vor allem Erwerbsminderungsrentner lebten wegen der hohen Abschläge auf ihre Renten häufig an der Armutsgrenze kritisierte die VdK-Präsidentin. Für immer mehr Rentner würden zudem hohe Mieten ein immer größeres Problem. Der soziale Wohnungsbau müsse daher oberste Priorität haben, verlangte Mascher.

Der Paritätische Gesamtverband sieht sich durch die von den Tafeln genannten Zahlen in seiner Kritik an wachsender Altersarmut bestätigt. "Armut ist ein Schicksal, von dem Menschen im Rentenalter mittlerweile überdurchschnittlich und besonders hart betroffen sind", erklärte der Rentenexperte des Paritätischen, Joachim Rock, in Berlin. Dies sei die Folge der Rentenpolitik der vergangenen Jahre, bei der "das Ziel der Lebensstandardsicherung in der Rente dem Ziel der Beitragssatzstabilität geopfert" worden sei. Rock forderte eine Erhöhung der Grundsicherung im Alter um zehn Prozent.

"Altersarmut und Rentner und Rentnerinnen, die von Tafeln versorgt werden, dürfen unter keinen Umständen zur neuen Normalität werden", forderte Linken-Parteichef Bernd Riexinger in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitagsausgabe). Als Ursache des Problems nannte er "die konstante Rentensenkung der vergangenen Jahre in der Ära Merkel, mit Schützenhilfe der SPD". Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann nannte es in Berlin "menschenwürdig", wenn jemand nach lebenslanger Arbeit auf die Tafeln angewiesen sei.