Verband erwartet Rückgang bei Finanzierung von Wohnimmobilien

BERLIN (dpa-AFX) - Steigende Zinsen und Preise sowie Unsicherheiten wegen des Ukraine-Kriegs machen sich dem Verband deutscher Pfandbriefbanken zufolge auf dem Markt für Wohnimmobilien bemerkbar. Erstmals seit 2009 erwarte man dieses Jahr einen leichten Rückgang des Finanzierungsneugeschäfts, erklärte der Verband am Mittwoch. "Die Dynamik auf dem Wohnimmobilienmarkt hat angesichts der veränderten Rahmenbedingungen jüngst erheblich nachgelassen", sagte Hauptgeschäftsführer Jens Tolckmitt. Auch seien Banken bei der Kreditvergabe vorsichtiger.

Im ersten Halbjahr wurden dem Verband zufolge 140 Milliarden Euro zur Finanzierung von Wohnimmobilien zugesagt, ein Plus von 3 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Verglichen mit den beiden Vorjahren, die trotz Pandemie Steigerungsraten von 10 beziehungsweise 11 Prozent aufwiesen, sei die Dynamik vor allem im zweiten Quartal deutlich gedämpft.

Bei selbst genutztem Wohneigentum führten die gestiegenen Zinsen dazu, dass der Kauf gerade für Schwellenhaushalte bei dem Preisniveau immer schwieriger werde, erklärte der Verband, in dem wichtige Kapitalgeber für den Wohnungs- und Gewerbebau zusammengeschlossen sind. Die höheren Finanzierungskosten hätten zudem die Aktivitäten vieler Großinvestoren gestoppt, so dass sich der Transaktionsmarkt im zweiten Halbjahr nicht spürbar beleben dürfte.

Auch auf dem Gewerbeimmobilienmarkt sei die Stimmung verhalten. Bei Büroimmobilien etwa würden Bauprojekte und Investitionen auf den Prüfstand gestellt, und der stationäre Einzelhandel werde von der Konsumzurückhaltung der Verbraucher belastet.