"Verantwortungslos": Ehrmann rechnet mit Pollersbeck ab

Reinhard Franke

Im Juni dieses Jahres war Julian Pollersbeck einer der begehrtesten Torhüter in Deutschland.

Gerade hatte er mit der U21 den EM-Titel gewonnen und war zum besten Torwart des Turniers gewählt worden, da verpflichtete ihn der Hamburger SV für rund 3,5 Millionen Euro vom 1. FC Kaiserslautern.

In der Pfalz waren die Fans traurig über den Verkauf ihres Helden, der beim FCK in nur einem Jahr den Sprung von der zweiten Mannschaft zum Stammtorwart bei den Profis geschafft hatte.

Pollersbeck nicht mehr im Kader

Mit dem Wechsel zum HSV wollte Pollersbeck den nächsten Schritt machen. Doch zunächst trat er auf der Stelle, nun geht es sogar in die völlig falsche Richtung.

Denn der ehemalige Lautern-Keeper spielt nach nur wenigen Monaten keine Rolle mehr bei den Hanseaten. Der Tiefpunkt: Auf Schalke gehörte Pollersbeck nicht einmal mehr zum Kader der Profis.

In der Sommervorbereitung hatte er das Duell gegen den jetzigen Stammtorwart Christian Mathenia verloren, nachdem er in zwei Testspielen gepatzt hatte. Die vom Klub gewünschte Jetzt-erst-recht-Reaktion blieb danach aus.


Ehrmann: "Kein Mitleid mit Pollersbeck"

Für seinen ehemaligen Torwarttrainer ist das kein Wunder: "Ich habe kein Mitleid mit Julian, weil ich ihn kenne", sagt Gerald "Gerry" Ehrmann, der in Kaiserslautern schon die späteren Nationaltorhüter Tim Wiese, Roman Weidenfeller und Kevin Trapp ausbildete, zu SPORT1.

"Er denkt, er habe es nicht nötig. Er ist zu bequem und hat sehr wenig Eigenantrieb. Julian fehlt es an Selbstkritik. Du musst ihn zu seinem Glück zwingen."

Nach Einschätzung seines ehemaligen Förderers ist auch der derzeitige Lebenswandel Pollersbecks kontraproduktiv. "Ich habe gehört, dass er in Hamburg um die Häuser ziehen soll", erklärt Ehrmann. "Wenn das bei mir passiert wäre, dann hätte er am nächsten Tag so trainiert, dass er dafür zu müde gewesen wäre."

"Nicht in der Lage sich zu wehren"

Nach SPORT1-Informationen haben Trainer Markus Gisdol und Sportchef Jens Todt den Keeper kürzlich zu einem Gespräch gebeten. Geholfen hat das offenbar nicht.

Aus dem umjubelten U21-Europameister ist so ein trauriger Bankdrücker geworden.

"Er ist nicht grundlos dritter Torwart beim HSV, da kommt Hochmut vor dem Fall", findet Ehrmann. "Wenn Julian richtig hart trainiert, dann ist das alles in Ordnung, von der Körpergröße her und fußballerisch. Aber man muss ihm zwei Mal die Woche den Arsch aufreißen, weil er von sich aus nichts macht."

So sei Pollersbeck derzeit gegen Mathenia "nicht in der Lage, sich im Konkurrenzkampf zu wehren. Wenn man so verantwortungslos mit seinem Job umgeht, ist das traurig", urteilt Ehrmann: "Ich habe dafür kein Verständnis."

Zieht Pollersbeck im Winter mit einem erneuten Wechsel die Konsequenz? Vom Berater des Keepers kam auf SPORT1-Anfrage keine Reaktion.