Venezuela will Staatsschulden neu verhandeln

dpa-AFX

CARACAS (dpa-AFX) - Das wirtschaftlich stark angeschlagene und hochverschuldete Land Venezuela will mit Gläubigern über seine Staatsschulden verhandeln. Das kündigte Staatschef Nicolas Maduro am späten Donnerstagabend in einer Rede zur Nation an. Nach einer letzten Zahlung der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA wolle man mit den Geldgebern über die gesamten Schulden neu verhandeln.

Ziel der Aktion, Experten sprechen von einer Restrukturierung, ist die Reduzierung der Schuldenlast. Die venezolanische Führung hat einen solchen Schritt lange abgelehnt, auch unter Maduros Vorgänger Hugo Chavez. Mit dem jetzigen Schritt räumt Maduro faktisch ein, dass die Schuldenlast untragbar für das südamerikanische Land geworden ist.

Maduro machte dagegen Finanzsanktionen der USA für den Schritt verantwortlich. Für Venezuela sei es deshalb unmöglich, neue Finanzquellen aufzutun. Die seit Sommer geltenden US-Sanktionen verbieten es vielen Investoren, neue venezolanische Anleihen zu kaufen. Grund der Sanktionen waren öffentliche Proteste und Ausschreitungen mit zahlreichen Toten und Verletzten. Die Proteste richteten sich gegen das Regime Maduros.

Venezuela war einmal ein reiches Land und soll mit die größten Ölvorkommen der Welt besitzen. Dennoch steckt das sozialistisch regierte Land in einer tiefen Wirtschaftskrise mit Mangelversorgung und Hyperinflation. Politisch ist die Lage ebenfalls heikel. Das frei gewählte Parlament wurde entmachtet und durch eine verfassungsgebende Versammlung ersetzt. Die Gewaltenteilung gilt als stark eingeschränkt.

Die Kurse venezolanischer Staatsanleihen befinden sich seit langer Zeit im Keller, die Risikoaufschläge zu als sicher geltenden Wertpapieren wie Bundesanleihen sind entsprechend hoch. Die Kosten für Ausfallversicherungen auf die Papiere (Credit Default Swaps, CDS) sind die höchsten der Welt. Das zeigt, dass ein Zahlungsausfall Venezuelas an den Märkten schon seit langem erwartet wird.