Venezuela ermittelt gegen flüchtige Ex-Generalstaatsanwältin Ortega

Generalstaatsanwalt Tarek William Saab

Venezuelas neuer Chefankläger hat seiner flüchtigen Vorgängerin, Luisa Ortega, Veruntreuung von Geldern vorgeworfen. Generalstaatsanwalt Tarek William Saab kündigte am Donnerstag wegen mutmaßlicher Unterschlagungen im Wert von 200 Millionen Dollar (knapp 170 Millionen Euro) ein Ermittlungsverfahren gegen Ortega an. Die 59-jährige Widersacherin des linksnationalistischen Staatschefs Nicolás Maduro war Mitte August aus Venezuela geflüchtet, weil sie ihr Leben in Gefahr sah.

Die Staatsanwaltschaft kündigte an, wegen überteuerter staatlicher Erdölverträge zwischen 2010 und 2016 zu ermitteln. Demnach seien dabei 200 Million Dollar abgeschöpft worden. "Sie sind die Hauptverantwortliche der Unterschlagungen, weil Sie Beweise hatten und nichts unternommen haben", sagte Chefankläger Saab an Ortega gerichtet. Saab ist Unterstützer der Regierung Maduros.

Unterdessen kam die Ex-Chefanklägerin am Donnerstag in Mexiko an. Die neue Verfassunggebende Versammlung in Venezuela hatte sie Anfang August entlassen. Nach ihrer Absetzung hatte Ortega mit ihrem Mann, dem Abgeordneten Germán Ferrer, das Land verlassen. Ortega, einst eine Unterstützerin Maduros, zählt mittlerweile zu seinen wichtigsten Gegnern.

In Venezuela tobt seit Monaten ein erbitterter Machtkampf zwischen Präsident Maduro und der Mitte-Rechts-Opposition. Seit Anfang April wurden bei politischen Unruhen mindestens 125 Menschen getötet.