Venezolanische Opposition ruft Armee zu Ablehnung von Verfassungsprojekt auf

Maduro spricht zu Anhängern in Caracas

Wenige Tage vor der Wahl zur verfassunggebenden Versammlung in Venezuela hat einer der Oppositionsführer des Landes, Leopoldo López, die Armee dazu aufgefordert, ihre Unterstützung für das Gremium zurückzuziehen. Der seit dem 8. Juli unter Hausarrest stehende Politiker erklärte am Mittwoch in einem über Twitter verbreiteten Video, die Streitkräfte sollten keine "Komplizen der Vernichtung der Republik, des Verfassungsbetrugs und der Unterdrückung" sein.

López äußerte sich überzeugt, dass die verfassunggebende Versammlung nicht zustande kommen wird. Der rechtsgerichtete Gründer der Partei Voluntad Popular (Volkswille) rief die Gegner des linksnationalistischen Staatschef Nicolás Maduro auf, die seit Monaten andauernden Straßenproteste gegen die Regierung fortzusetzen und dem Aufruf der Opposition zu einem zweitägigen Generalstreik ab Mittwoch sowie zu einem Protestmarsch am Freitag Folge zu leisten.

Die Armee hat Maduro ihre "bedingungslose Loyalität" zugesichert. Der Präsident versicherte seinerseits, dass nichts und niemand die verfassunggebende Versammlung aufhalten könne. Der Generalstreik und der Protestmarsch sind Teil der Oppositionskampagne gegen die Wahl des Gremiums am Sonntag.

Dieses soll nach Maduros Willen Änderungen an der geltenden Verfassung vornehmen. Die Regierungsgegner sehen in Maduros Initiative den Versuch sich an der Macht festzuklammern, zusätzliche Befugnisse zu bekommen und das gewählte Parlament zu umgehen, in dem die Opposition über die Mehrheit verfügt. Seit Beginn der Protestwelle gegen Maduro Anfang April wurden in dem südamerikanischen Land mehr als hundert Menschen getötet und tausende weitere verletzt.