Deutsche Industrie fordert selbstbewusstes Auftreten der EU bei Gespräch mit Trump

Die deutsche Industrie und die Autobranche haben von der Europäischen Union ein selbstbewusstes Auftreten bei den anstehenden Handelsgesprächen mit den USA gefordert

Die deutsche Industrie hat von der Europäischen Union ein selbstbewusstes Auftreten bei den anstehenden Handelsgesprächen mit den USA gefordert. "Europa darf sich nicht erpressen lassen", erklärte BDI-Präsident Dieter Kempf am Montag. Der Automobilverband VDA mahnte aber, die EU dürfe nicht mit Vorbedingungen in die Gespräche mit US-Präsident Donald Trump am Mittwoch gehen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump müssten im Handelskonflikt "die Notbremse ziehen", verlangte Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Dazu müsse Washington "rhetorisch abrüsten". Die Zölle unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit gehörten abgeschafft.

Es sei "klug", dass EU und USA ihre Gespräche fortsetzten, lobte Kempf. Bei dem Treffen von Juncker und Handelskommissarin Cecilia Malmström mit Trump müsse eine gemeinsame Grundlage hergestellt und Vertrauen wiedergewonnen werden.

Der Chef des Automobilverbands VDA, Bernhard Mattes, warnte im Sender SWR davor, mit Vorbedingungen im Gepäck nach Washington zu fahren. "Ich warne davor, dass wir Forderungen oder auch Voraussetzungen in den Raum stellen, die dazu führen, dass wir nicht im Gespräch bleiben", sagte er. "Wir müssen mit den Gesprächen weiterkommen - und wenn wir nur auf der Stelle treten, dann werden wir keine vernünftigen Ergebnisse erzielen."

Von dem Treffen erhofft sich die Autoindustrie den "Beginn von Gesprächen, die dazu führen, dass wir keine zusätzlichen Zölle bekommen", wie Mattes weiter sagte. Trump hat mit massiven Strafzöllen auf Autos aus der EU gedroht.

Mattes sagte im SWR, er sei der Überzeugung, dass die EU und die USA "eine ganze Menge an Gemeinsamkeiten" erarbeiten könnten. In einem Freihandelsabkommen könnten die EU-Zölle auf US-Autos auf null heruntergefahren werden.

Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hatte sich kürzlich mit den Chefs führender deutscher Autokonzerne getroffen. Dabei schlug auch er die beidseitige Aufhebung jeglicher Autozölle vor.

Autos aus der EU werden in den USA bislang mit 2,5 Prozent Zöllen belegt, umgekehrt sind es für US-Automobile in der EU zehn Prozent. Allerdings erheben die USA 25 Prozent auf Lastwagen und Pick-ups, während diese in den EU mit durchschnittlich 14 Prozent belegt werden.

Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire hatte beim Finanzministertreffen der G20 in Argentinien gesagt, Vorbedingung für Gespräche über ein Handelsabkommen sei die Rücknahme der US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium. Die einseitige Erhöhung der Zölle, "das ist das Gesetz des Dschungels, das Recht des Stärksten". Dies könnten nicht die Regeln des Welthandels sein.

Die G20-Finanzminister hatten am Sonntag zum Abschluss ihres Treffens in Buenos Aires vor Risiken für die Weltwirtschaft durch Handelsstreitigkeiten und wachsende geopolitische Spannungen gewarnt. Das globale Wirtschaftswachstum sei "robust", kurz- und mittelfristige Risiken hätten aber zugenommen, hieß es in der gemeinsamen Abschlusserklärung. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte, es gebe "keine Alternative zu einer engen, multilateralen Zusammenarbeit".