VDA-Chefin Müller: Ladesäulenausbau muss sich beschleunigen

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BERLIN (dpa-AFX) - Die Zukunft der Elektromobilität in Europa hängt aus Sicht von Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), am Ausbau des Ladesäulennetzes. "Der Ladenetzausbau hält mit dem Elektroautoboom, den wir im Moment haben, derzeit nicht Schritt", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. "Gerade im öffentlichen Raum ist noch viel Luft nach oben." Der Schlüssel dafür liege in den Kommunen. "Die Umsetzung muss sich jetzt jeder Bürgermeister und Landrat ganz oben auf die Agenda für die nächsten Jahre schreiben. Diese Aufgabe kann man nicht wegdelegieren."

Doch in der Pflicht sieht Müller auch die Wohnungs- sowie Energiewirtschaft und mit Blick auf das Tankstellennetz entlang der Autobahnen auch die Mineralölindustrie. "Ich zeige da nicht mit dem Finger auf andere - die Autoindustrie leistet ihren Beitrag zum Ausbau - aber wir brauchen natürlich ein Netz, das auch an den Autobahnen zur Verfügung steht." Eine besondere Herausforderung sei dabei auch die Ladeinfrastruktur für Nutzfahrzeuge wie Busse und Lastwagen. Dort herrschten besondere Ansprüche an Ladesäulen.

Einige Autohersteller haben vor einigen Jahren das Unternehmen Ionity gegründet, das eben jenes Ladesäulennetz an Rastplätzen und Tankstellen entlang europäischer Schnellstraßen ausbaut. Laut Müller gehen darauf inzwischen mehr als 100 Schnellladestationen zurück.

Auch auf europäischer Ebene sieht die VDA-Chefin Nachholbedarf bei dem Thema. "Die Urlaubsreise mit dem Auto darf ja nicht am Brenner enden, weil dahinter das Ladennetz fehlt. Hier müssen jetzt alle wirklich noch sehr viel leisten." Während einige Mitgliedstaaten schon weiter seien, spiele Elektromobilität in anderen EU-Ländern noch überhaupt keine Rolle. "Bevor man jetzt über eine Verschärfung von Flottengrenzwerten und neue Ziele diskutiert, muss das Ladenetz erst einmal in die richtige Balance kommen."

Jüngst haben sich in Brüssel die Mitgliedstaaten auf verschärfte Ziele bei den CO2-Einsparungen in Höhe von 55 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 geeinigt. Nun wird diskutiert, was das für die Flottengrenzwerte bedeutet und ob diese ebenfalls weiter verschärft werden müssen. Die Autoindustrie bekennt sich zu den bestehenden Grenzwerten sowie dem Pariser Klimaschutzabkommen. Strengere Grenzwerte lehnt die Branche allerdings vehement ab.

Neben dem Transformationsprozess hin zu neuen Antriebsarten und digitaler Technik kämpft die Industrie nach wie vor mit den Auswirkungen der Corona-Krise. Doch inzwischen gehe es bergauf, sagte Müller. "Nach einem coronabedingten Markteinbruch bis zur Mitte des Jahres sind in den Monaten September, Oktober und November insgesamt rund 830 000 neue Pkw in Deutschland auf die Straßen gekommen. Das liegt sogar leicht über dem Stand des letzten Jahres." Aufs Gesamtjahr betrachtet sei die Zahl der Neuzulassungen aber um 25 bis 27 Prozent zurückgegangen.

Dennoch gelte besonders für die Krisenmonate: "Das Interesse am eigenen Auto steigt." Auch bei den Jüngeren. Allerdings lasse sich dort beobachten, dass ein eigenes Auto erst später eine Rolle spiele als bei früheren Generationen. "Die Phase der Familiengründung hat sich bei den Millennials nach hinten verschoben, damit kommt das erste eigene Auto etwas später. Aber es kommt", sagte Müller. "Sehr interessant ist, dass gerade bei Frauen der Wunsch nach einem eigenen Auto zugenommen hat. Das hat mit dem veränderten Lebens- und Berufsverhalten von Frauen zu tun."