VC-Experte schlägt vor HelloFresh-IPO Alarm: „Nicht kaufen, sondern shorten“

Nikolas Kessler
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Rocket-Beteiligung HelloFresh: Gelungenes Börsendebüt – jetzt muss geliefert werden

Mit HelloFresh steht in diesem Jahr bereits das zweite IPO einer Beteiligung von Rocket Internet in den Startlöchern. Läuft alles nach Plan, wird die Aktie ab kommendem Donnerstag (2. November) gehandelt. Venture-Capital-Experte Sven Schmidt ist allerdings noch skeptisch, ob das wirklich klappt – und fällt ein hartes Urteil.

Zwar sei der Umsatz von HelloFresh in Q2 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 48 Prozent auf 230,1 Millionen Euro gestiegen, zwischen zweitem und drittem Quartal seien die Erlöse jedoch um rund sechs Prozent gesunken, so Schmidt im Gespräch mit dem Portal Online Marketing Rockstars (OMR). Saisonale Effekte, die HelloFresh zur Begründung anführt, will er nicht gelten lassen: „Zum einen sollten ‚Wachstumsfirmen‘ unabhängig von Saisonalität wachsen und zum anderen galt das in der Vergangenheit auch für Hello Fresh. 2015 gab es ein Wachstum von 39 Prozent vom zweiten auf das dritte Quartal, 2016 immerhin noch ein positives Wachstum von vier Prozent.“

Wie jedes Abo-Modell habe HelloFresh mit Kündigungen zu kämpfen, wobei die Quote in diesem Fall sehr hoch sei. „Irgendwann schafft man es dann nicht mehr, die Kündigungen über Neukunden auszugleichen. Vom Wachstum ganz zu schweigen“, so der VC-Experte. Im internationalen Geschäft – außerhalb der USA – zeige sich dies bereits an stagnierenden und leicht rückläufigen Kundenzahlen.

Fairer Wert: Null Euro?

Dass HelloFresh zumindest auf dem wichtigen US-Markt zuletzt noch wachsen konnte, ist für Schmidt kein Grund zur Entwarnung. „Schon im aktuellen Quartal haben in den USA wahrscheinlich mehr Kunden gekündigt, als neue hinzugekommen sind. Und das wird in Zukunft nicht besser.“

Die Folge sei wahrscheinlich null Wachstum. „Dann hast du eine Firma, die nicht wächst und kein Geld verdient.“ Eine solche Firma sollte nicht 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro wert sei, sondern null Euro, so das harte Urteil.

Als Beispiel verweist er auf den US-Konkurrenten Blue Apron, dessen IPO sich kürzlich als großer Flop entpuppt hat. Zwar räumt Schmidt ein, dass HelloFresh operativ besser zu sein scheint. Das spiele aber keine Rolle, denn: „Ein schlechtes Geschäftsmodell bleibt ein schlechtes Geschäftsmodell.“ Die Aktien von HelloFresh würde er daher keinesfalls zeichnen – alles andere wäre nach dieser Einschätzung auch äußerst überraschend.

Kaum Impulse für Rocket Internet

Auch die Aktie von Rocket Internet – mit rund 53 Prozent der größte Anteilseigner von HelloFresh – konnte bisher nicht von den Börsenplänen des Portfolio-Unternehmens profitieren. Wie aus dem Börsenprospekt hervorgeht, will die Start-up-Schmiede jedoch auch einen Großteil der Beteiligung behalten – ein (erneuter) großer Geldsegen ist daher kurzfristig nicht zu erwarten.

Wobei es Rocket an Geld ohnehin nicht mangelt – unter anderem dank des Delivery-Hero-Börsengangs und einiger Beteiligungsverkäufe lag der Brutto-Cash-Bestand Ende August bei 1,9 Milliarden Euro. Spannender ist daher die Frage, was Rocket mit all dem Kapital vor hat.

Mutige setzen auf den Turnaround

Auch wenn die überfällige Erholung bei Rocket derzeit noch auf sich warten lässt, können mutige Anleger weiterhin einen Fuß in die Tür stellen. Die Aktie wird derzeit mit einem Abschlag auf den Wert der Beteiligungen plus Cash gehandelt. Mit einem Sprung über den Widerstand bei 22,20 Euro würde sich zudem auch das Chartbild wieder aufhellen.