Vater sucht via Twitter nach einem Job für seine Tochter, nachdem sie wegen ihrer Haarfarbe gefeuert wurde

Joe Blakeney sagt, seine älteste Tochter Jess wurde vor Kurzem wegen ihrer bunten Haare von ihrem Job im Gaststättengewerbe gefeuert. Die 19-Jährige bereitete sich auf das nächste Vorstellungsgespräch vor, als ihr Vater sich entschloss, seiner Tochter mit einem Tweet zu helfen.

Joe schrieb, seine Tohter habe derzeit eine „ziemlich beschissene Zeit“ und erklärte, dass „ihr letzter Arbeitgeber entschied, dass ihre Haarfarbe ihre Arbeitsproduktivität beeinträchtigt und feuerte sie“. Er schrieb auch eine leidenschaftliche Empfehlung für seine Tochter: „Sie arbeitet hart und ist ein gutes Kind“.

Jess und ihr Vater Joe Blakeney. (Bild: Twitter/JBizzlington)

Er erwartete ein paar Retweets, aber der besorgte Vater erhielt sehr viel mehr, als er je gehofft hatte. Drei Stunden nach der Veröffentlichung hatte er 25 Retweets. „Wow! 25 RTs. Vielen Dank an euch alle. Ich weiß eure Hilfe zu schätzen”, schwärmte er auf Twitter.

Jetzt, zwei Tage später hat der Tweet fast 13.000 Likes und 9.000 Retweets. „Ich habe nie damit gerechnet, dass er viral geht“, erzählt er Yahoo Lifestyle.

Hey Twitter. Dies ist meine älteste Tochter, Jess. Sie hat derzeit eine ziemlich beschissene Zeit. Ihr letzter Arbeitgeber entschied, dass ihre Haarfarbe ihre Arbeitsproduktivität beeinträchtigt und feuerte sie. Sie sucht verzweifelt nach einem neuen Job. Sie arbeitet hart und ist ein gutes Kind. Umgebung: Brighton, RTs willkommen.

Jess begann ihren letzten Job im September 2016. „Ich arbeitete im Gaststättengewerbe, in einer informellen Position“, erklärte sie Yahoo Lifestyle. „Ich war verantwortlich für die Vorbereitung der Ausstattung, der Einhaltung der Hygienestandards um das Gebäude, ich stellte sicher, dass Kunden zufrieden waren, bereitete Kinderpartys und andere Veranstaltungen vor und stand bei Veranstaltungen, die 20 bis 1.000 Gäste haben konnten, hinter der Bar.“ Dann wurde sie zur Rezeptionistin befördert. „Bevor ich gehen musste, war ich an der Planung einer bevorstehenden Veranstaltung für ein Unternehmen beteiligt.“

So wie sich ihre Position während ihrer Zeit dort wandelte, veränderte sich auch ihre Haarfarbe ständig. „Bei meinem ersten Vorstellungsgespräch, als ich das Angebot für die Stelle erhielt, waren meine Haare blass hellblau und die Hälfte meines Kopfes war rasiert“, sagt Jess. „Als ich meine erste Schicht begann, waren meine Haare grell pink.“

Sie sagt, eineinhalb Jahre später hörte sie das erste Mal davon, dass ihre Haarfarbe ein Problem ist. „In den eineinhalb Jahren, die ich da war, waren meine Haare immer bunt gefärbt und ich hatte keine einzige Beschwerde von Kunden oder Kollegen erhalten. Die Vorschriften zur Uniform wurden mir erst wenige Wochen, bevor ich gefeuert wurde, gezeigt, als meine Haare eine ordentliche mittellange Frisur hatten und grün gefärbt waren“, erklärt sie. Jess betonte auch, dass diese Vorschriften sehr schwammig waren, „da stand einfach ‚keine schockierenden Frisuren‘“. Der Manager schickte ihr diese Informationen per E-Mail 16 Monate nachden sie ihren Job begonnen hatte.

Jess sagt, bunte Haarfarben helfen ihr, ihre Depression zu bekämpfen. (Bild: Twitter/JBizzlington)

Jess wohnt noch bei ihren Eltern, die beide „Mindestlöhne“ verdienen und ihre vier Geschwister groß ziehen (ein Kind ist auf dem Weg) und sich auch noch um Haustiere in Sozialwohnungen kümmern. Deshalb wusste sie, wie schwierig es sein würde, wenn sie ihren Job verlieren würde und sie versuchte eine Einigung mit ihrem Arbeitgeber zu finden. „Ich bot an, zu kooperieren und zu einer Einigung zu kommen, mit der alle zufrieden sind, aber ich fühlte mich letztendlich ausgegrenzt und angegriffen“, sagt sie.

Scheinbar war Jess nicht die Einzige in dem Unternehmen, die gefärbte Haare hatte, „aber ich war die Einzige, die deshalb ihren Job verlor”, sagt sie. Sie sagt auch, dass ihr ehemaliger Manager die „widersprüchlichen“ Vorschriften nicht befolgte, was ihren Rausschmiss ihrer Meinung nach „hochgradig verlogen“ macht.

„Also blieb ich standhaft, mit gutem Grund”, sagt Jess. Sie schickte dem Manager eine freundliche E-Mail, in der sie „alle Probleme mit der Situation darlegte, aber das half überhaupt nicht und ich wurde einfach ignoriert.“

Am 29. Januar 2018 wurde sie suspendiert. „Aber dann entschieden sie, meine Suspendierung aufzuheben und mich stattdessen ganz los zu werden”, sagt sie. Und der Grund dafür ist sogar noch schlimmer als gefärbte Haare. „Weil ich den Job aus meiner Job-Information bei Facebook entfernt hätte“, erklärt sie. „An dem Punkt, nach der schlechten Behandlung, die ich erlebt hatte, war ich nicht sonderlich stolz darauf, mit dem Unternehmen assoziiert zu werden.“

Für Jess war es der Job nicht wert, dass sie einen Teil von sich ändert: „Ich hatte so lange ich mich erinnern kann gefärbte Haare! Im Sommer 2012 färbte ich sie das erste Mal rosa und seitdem habe ich meine natürliche Haarfarbe nicht mehr gesehen. Ich weiß nicht, warum ich das tue, abgesehen davon, dass es mich glücklich macht. Ich fühle mich in meiner Haut mit gefärbten Haaren so viel wohler. Das bin nun einmal ich und es macht einfach Spaß und gibt mir ein gutes Gefühl.“

Jess leidet an Angstvorstellungen und Depressionen, aber sie fand heraus, dass der kreative Umgang mit ihren Haaren ihr dabei hilft, die Symptome zu lindern. „Wenn man eine psychische Erkrankung hat, dann ist es wundervoll – und tatsächlich sehr wichtig –, etwas zu finden, das einem ein besseres Gefühl gibt“, sagt sie. „Gefärbte Haare funktionieren bei mir, deshalb ist dies nicht etwas, das ich jemand anderem zuliebe aufgeben würde.“

Und während sie eine offene und mutige Person ist, war Jess schockiert, dass ihr Dad etwas noch Mutigeres tun würde, als die Hälfte ihres Kopfes kahl zu rasieren. „Ich wusste nichts von dem Post, bis ich nach einem Vorstellungsgespräch an dem Tag nach Hause kam und er hatte über 50 Reaktionen“, teilt sie. „Jetzt, da er so weit verbreitet wurde, fühlt es sich etwas seltsam an, aber ich bin dankbar, dass Leute mir zuhören und mich unterstützen.“

Meine älteste Tochter erlebte das Schlimmste, was je passieren kann. Sie wurde vor drei Jahren sexuell belästigt. Deshalb sind wir beide psychisch angeschlagen. Bei uns beiden wurden Angstvorstellungen und Depressionen diagnostiziert, aber wir haben uns Hilfe gesucht.

Dies ist nicht das Einzige, was Joe über seine Tochter auf Twitter verriet. Am nächsten Tag entschied sich der 39-jährige Vater, etwas mehr über Jess‘ Probleme zu schreiben. Joe teilte, dass Jess vor drei Jahren sexuell belästigt wurde, etwas womit die Familie noch immer kämpft. „Deshalb sind wir beide psychisch angeschlagen“, schrieb er. „Bei uns beiden wurden Angstvorstellungen und Depressionen diagnostiziert, aber wir haben uns Hilfe gesucht.“

Dass ihr Vater etwas so Persönliches verriet, war für Jess jedoch kein Problem. Wie sie es sagt: „Ich gehe aus mehreren Gründen unglaublich offen und öffentlich mit dem um, was mir passiert ist. Vor allem, weil ich wirklich helfen will und andere junge Leute schützen möchte, die vielleicht ähnliche Dinge erlebt haben. Ich weiß, wie schwer der ganze Prozess ist, mit sich selbst zu kämpfen, aber genauso mit den schlechten Menschen, die es gibt. Es geht auch um Prävention. Es geht darum, Anzeichen bloßzustellen und die Äußerungen und Verhaltensweisen und Manipulationen misshandelnder Menschen – weil ich weiß nur allzu gut, dass es schwer ist, all dies zu erkennen, bis es zu spät ist.“

Sie fügt hinzu: „Ich möchte, dass Leute wissen, dass es sehr gut möglich ist, nach einer Missbrauchserfahrung und Belästigung weiter zu machen.“

Dass sie seit zwei Monaten versucht, einen neuen Job zu finden, hat die Dinge für die Familie nicht leichter gemacht. Jess startete eine GoFundMe-Seite, um Geld für Dinge wie Transport und Kleidung für Vorstellungsgespräche oder potentielle Job-Trainingsangebote zu sammeln und auch, um ihren Eltern zu helfen, „für die Familie zu sorgen“. Hoffentlich kann Twitter etwas bewirken und dass die ganze Aufmerksamkeit hilft, Jess die Auszeit zu verschaffen, die sie braucht.

Bisher sieht es gut aus. „Die Reaktionen waren überwiegend positiv“, sagt Joe. „Wie erwartet, gab es einige boshafte und respektlose Kommentare, aber es gab auch einige Angebote für Vorstellungsgespräche.“

Maggie Parker