Vom Vater des Smart: Wie dieses Mikroauto den Stadtverkehr revolutionieren soll

Der CT1 des israelischen startups City Transformer ist mit einem Meter nicht viel breiter als Motorräder, kann sich aber auch breit machen. - Copyright: City Transformer
Der CT1 des israelischen startups City Transformer ist mit einem Meter nicht viel breiter als Motorräder, kann sich aber auch breit machen. - Copyright: City Transformer

Wer sich noch an den Smart erinnert, lange als Individuallösung für das (Park-)Platzproblem in Großstädten gepriesen, rufe ihn sich vor das geistige Auge – und schrumpfe ihn auf die Hälfte der Breite zusammen. Heraus kommt: Der CT1 des israelischen Startups City Transformer. Ein Zwei-Personen-Auto irgendwo zwischen überdachtem Motorrad und geschlossenem Golfcart, in dem zwei Personen recht gedrängt hintereinander sitzen können.

Mikroautos nennen sich diese Gefährte, die gezielt für den nachhaltigen Pendelverkehr in Großstädten erdacht wurden. Anat Bonshtien, VP Business Development bei City Transformer, hat gerade auf der Shift Mobility Messe in Berlin die Vision des Unternehmens erklärt: Mit dem CT1 will das Unternehmen das tun, was sein Name verspricht. Nämlich die Stadtlandschaft verändern. Und viele der großen Schlachtschiffe im Stadtverkehr ersetzen, in denen letztlich nur eine einzelne Person unterwegs ist.

Ein echter Transformer und ein Smart-Vater an Board

Heißt: Weniger Autos, die einen Großteil der Zeit geparkt am Straßenrand stehen. Denn wenn Mikroautos wie der CT1 geparkt werden müssen, nehmen sie weniger Platz weg. Vier der schmalen Kleinstwagen sollen dank der Maße von zweieinhalb Metern Länge und einem Meter Breite auf einen regulären Autoparkplatz passen. Ein noch radikaleres Versprechen als früher beim Smart Fortwo, zumal Smart mittlerweile selbst an der Aufrüstung im Stadtverkehr teilnimmt und mit dem Smart One eher auf einen SUV setzt. Mit Johann H. Tomforde hat City Transformer sogar einen der Väter des Smart als Chief Business Architect and Design Officer an Bord.

Doch City Transformers ist keinesfalls alleine im Mikro-Markt. Mit dem Opel Rocks-e, dem Renault Twizy oder dem Microlino buhlen weitere Elektro-Winzlinge um die Gunst der Käufer. Hier kommt die zweite Bedeutung des Firmennamens ins Spiel: Auf Knopfdruck lässt sich das Fahrgestellt des Mikroautos während der Fahrt ausfahren – von einem Meter auf 1,4 Meter. Damit kann der CT1 auch schneller fahren als einige Konkurrenten. Bis zu 30 Stundenkilometer sind im schmalen Modus möglich, mit ausgefahrenem Fahrgestell sollen es 90 Kilometer pro Stunde sein. Und dank einer Reichweite von 140 bis 180 Kilometern eigne sich der Wagen auch für Menschen, die vom Land in die Stadt pendeln, erklärt Bonshtien.

Breit und schmal: Das ausfahrbare Fahrgestellt ist technisches Herzstück des CT1. Auch bei 90 Kilometern pro Stunde soll er so sicher fahren und danach trotzdem in jede Parklücke passen. - Copyright: City Transformer
Breit und schmal: Das ausfahrbare Fahrgestellt ist technisches Herzstück des CT1. Auch bei 90 Kilometern pro Stunde soll er so sicher fahren und danach trotzdem in jede Parklücke passen. - Copyright: City Transformer

„Die Städte in Deutschland sind offen für Innovation“

Weniger Blech in der Stadt also, dafür mehr Platz für Fußgänger und Stadtgrün. Was beim Smart noch nicht nachhaltig funktioniert hat, soll beim CT1 durch Sharing-Konzepte möglich werden. Rund 80 Prozent der produzierten Fahrzeuge sollen an B2B-Kunden gehen, erklärt Bonshtien im Pitch. Hotel, Business Parks, Co-Working Spaces: Sie alle sollen ihren Kunden den CT1 als Mobilitäts-Lösung anbieten. Nur 20 Prozent sollen in den Privatverkauf gehen – auch um Aufmerksamkeit für die Marke zu schaffen.

Passend dazu steht Bonshtien bei ihrem Pitch auf der mit Rasen und reichlich grünem Farn umpflanzten Messebühne. Sie ist mit City Transformer eine von drei Finalisten beim Mind Shifters Startup-Wettbewerb. Sechseinhalb Minuten Zeit für den Pitch – 10.000 Euro Preisgeld, die Bonshtien trotz Nervosität bei allen Teilnehmern mit allerlei Produkt- und Imagefilmen im Hintergrund souverän gewinnt.

Anat Bonshtien (li.) bekommt von Shift-Mobility-CEO Hans H. Hamer (re.) nach ihrem Pitch den Mind Shifters Preis verliehen. - Copyright: City Transformer
Anat Bonshtien (li.) bekommt von Shift-Mobility-CEO Hans H. Hamer (re.) nach ihrem Pitch den Mind Shifters Preis verliehen. - Copyright: City Transformer

Sie ist seit gut eineinhalb Jahren bei City Transformer, das bereits 2014 vom israelischen Ingenieur Asaf Formoza in Tel Aviv gegründet wurde. Dort liegt zwar immer noch der Hauptsitz, doch die Vision des Unternehmens ist global. Und wenn die Serienproduktion des Mikroautos 2024 startet, soll das Gefährt zuerst in Europa auf den Markt kommen. Das nötige Geld für den Serienstart hatte City Transformer bereits im Mai eingesammelt: Gut 9,3 Millionen Euro (10 Millionen US-Dollar) erhielt das Unternehmen. Die Runde wurde von der Lubinski Group angeführt, einem internationalen Autoimporteur aus Israel.

Wie Bonshtien erklärt, ist insbesondere Deutschland für das Startup wichtig. Die zwei funktionsfähigen Prototypen, mit denen der CT1 in den Produktvideos bereits um das Brandenburger Tor gegondelt ist, wurden vom Bayerischen Hersteller Roding weiterentwickelt und gebaut. Hier soll sich bald auch das erste Büro des Startups außerhalb Israels ansiedeln. „Die Städte in Deutschland legen einen großen Fokus auf Innovation“, so Bonshtiens Erfahrung. „Die sind da sehr offen.“ Gerade in Heilbronn, Regensburg, Stuttgart oder München habe man bei der Durchführung von Pilottests viel Unterstützung bekommen. „Wir haben uns mit den Vertretern der Gemeinden zusammengesetzt und die haben sofort gefragt: Wie können wir euch helfen?“

„Städte und Gemeinden müssen Innovation ermöglichen“

Bonshtien verbindet aber auch noch etwas anderes mit der deutschen Mobility-Szene. Bevor sie zu City Transformer ging war sie etwa neun Jahre Vorsitzende der Smart Mobility Initiaive Israels, einer Regierungsinitiative, die Innovationen und Startups im Mobilitätssektor fördern und zwischen Ministerien, Städten, Wirtschaft und Hochschulen koordinieren sollte. Immer wieder war sie daher auch in Deutschland auf Konferenzen und zum Austausch.

Noch vor ein paar Jahren sei ihr der Weg der meisten jungen Akteure ziemlich geradlinig vorgekommen: „Ingenieursstudenten gingen zur Universität und danach direkt zum großen Fahrzeughersteller“, sagt sie. Inzwischen sei das anders: „In den vergangenen Jahren haben die Studenten begonnen, das zu ändern, und arbeiten nach ihrem Studium an Innovationen.“

Sie sieht vor allem den öffentlichen Sektor wie die Städte in der Pflicht, diesen Prozess zu fördern. „Städte und Gemeinden müssen da als Ermöglicher auftreten. Sie müssen Gründer ermutigen, aber auch auf regulatorischer und finanzieller Ebene unterstützen – in der Früh- als auch in der Wachstums- und Spätphase von Startups.“

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