Vater rührt mit bewegenden Worten über Familie das Netz

Mit seinem Facebook-Post begeistert Thomas Poppe Tausende (Bild: ddpimages)

“Eigentlich muss man echt einen Dachschaden haben, wenn man heutzutage noch Kinder bekommt“ – mit diesen Worten beginnt ein Facebook-Post, der derzeit das Netz bewegt. Denn: Mit seinen witzigen, aber absolut lebensnahen Worten spricht der Verfasser den Internet-Usern aus der Seele.

“Unfassbar viele Nerven, Zeit und auch Geld gehen drauf um am Ende dann doch nur der Buhmann zu sein, weil das Abendbrot in Vierecken statt in Streifen geschnitten wurde und die Bettgehzeit schon beginnt, wenn die Sonne noch nicht untergegangen ist“, schreibt Thomas Poppe auf seinem Facebook-Blog “Poppe probiert’s“. Wer jetzt allerdings einen Nörgel-Post erwartet, in dem das Elternsein schlecht geredet wird, hat sich geschnitten.

Kleine Vorwarnung allerdings: Man darf nicht alles todernst nehmen, was dieser Poppe so schreibt. Oder um es mit den Worten eines Users auszudrücken: “Man kann nur hoffen, dass der Text auch über den ersten Absatz hinaus gelesen wird.” Mit großem Augenzwinkern berichtet Thomas Poppe über sein Leben als junger Familienvater und erklärt: “Überall, wo man sonst träumend und aufs Handy glotzend, schlendern konnte, lauern jetzt Todesfallen, man kämpft ständig ein Gefecht zwischen ‘Mal loslassen und machen lassen’ und ‘in Industriefolie wickeln und einsperren’ und ist am Ende des Tages meist sicher, dass die getroffene Entscheidung falsch war.“

Einen Abend nur mit dem Partner verbringen zu können, sei ein Organisations-Marathon: “Als würde ein Staatspräsident zu Besuch kommen.“ Dass Schlaf für einen Familienvater ein Fremdwort ist, genauso wie ein großer Freundeskreis, ist eh klar. Allerdings bekomme man zum “stark reduzierten Freundes- und Bekanntenkreis“ einen “Ratgeberverein mit 50 unterschiedlichen Meinungen von 50 Leuten“ gratis dazu.

Er erwähnt auch die Angst, mit der alle Eltern zu kämpfen haben: “Bei jedem Schnupfen die Angst, es könnte Ebola sein, bei jedem Auto in 50 Metern Abstand die Angst, gleich passiert was, in jedem Sandkasten die Angst vor HIV-Spritzen und Glasscherben. Und diesen Phasen. Erst Blähungen, dann bekommen sie Zähne, dann ein Abo für Mittelohrentzündung und wenn das alles vorbei ist, kommt die Trotzphase.“

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Doch Poppe will nicht alles schlecht reden. Im Gegenteil. Er erklärt: “All die Sorgen, all die kurzen Nächte und Augenringe, all die Blicke aufs Konto und all die trotzigen Schreiereien sind dennoch ein fairer Preis. Für diese kleinen Wunder, wenn sie wieder etwas können, dass für Außenstehende überhaupt nicht toll ist und du der ganzen Welt zeigen willst. Die ersten Schritte, die ersten Worte, das erste Mal auf dem Töpfchen, die erste Nacht ohne Schnuller, das erste Fußballspiel. Für diese schönen Sekunden, wenn alles perfekt ist, bevor sie sich wieder gegenseitig die Bauklötze über den Kopf hämmern. Für diese Anfälle von Gefühlen, wenn sie dich so fest drücken, dass du kaum noch Luft bekommst.“

Mit bewegenden Worten fährt er fort: “Für die vielen Dinge, die vorher so viel Platz im Leben eingenommen haben und jetzt total unwichtig sind. Für das Gefühl, wenn aus Unsicherheit Routine wird. Für die Millionen Erfahrungen, die man nie gesammelt hätte. Für das Wissen, dass man alles stehen und liegen lassen würde, wenn es nötig ist. Für diese Erfolge, die kommen, wenn man dran bleibt und sich nicht zu schade ist, auch mal der Bad Boy zu sein. Für die Momente, wenn du merkst, dass aus einem hilflosen Wesen eine kleine Persönlichkeit mit Charakter und Meinung geworden ist. Für das Gefühl, dass das Aufstehen jeden Morgen einen Sinn hat und auch am nächsten Tag noch haben wird – egal was sonst passiert.“

“Für das an die Hand nehmen, Huckepacktragen und Gute-Nacht-Kussi wollen”

“Für die verheilten Schürfwunden und verklebten Trostpflaster, die gebauten Ritterburgen und Krankenhäuser, die erfundenen Gute-Nacht-Geschichten und wiederentdeckten Hörspiele, für den Urlaub zwischen Kinderpool und Mini-Disco, für das Teambuilding, dass die Partnerschaft oft so sehr beansprucht, aber auch so stark zusammenbindet. Für das Vermissen, für das total genervt sein und nach fünf Sekunden wieder lachen können, für das an die Hand nehmen, Huckepacktragen und Gute-Nacht-Kussi wollen, für das auf der Couch einschlafen und ins Bett tragen, für so viel, was man nur verstehen kann, wenn man es kennt“, geht es in dem Post weiter.

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Und hier hört der Beitrag noch lange nicht auf: “Es ist so selten leicht, aber so oft schön. Und auch wenn ich jeden verstehe, der darin nicht seinen Sinn findet, bin ich froh, ihn darin ein Stück gefunden zu haben. Den täglichen Kampf gegen Launen und Unverständnis zu kämpfen. Auch mal fünf gerade sein und den Fernseher an zu lassen, aber eben auch beim 30. Mal nicht den einfachen Weg zu wählen, wenn Zähneputzen mit zehn Minuten Geschrei verbunden ist und man bei einem NEIN der Depp ist, wo ein JA zwar easy, aber eben falsch wäre.“

“Es ist manchmal so schön, dass man sein Glück nicht für sich behalten kann”

Seinen Lesern gibt Thomas Poppe eines noch mit auf den Weg: “Es ist ein gutes Gefühl, bedingungslos zu lieben und den eigenen Akku damit zu entleeren, zwei kleine Menschen so zu erziehen, dass diese Welt wieder ein paar Milliprozent ein besserer Platz wird. Es ist manchmal so anstrengend, dass man weglaufen möchte. Aber es ist manchmal so schön, dass man sein Glück nicht für sich behalten kann.“

Über 30.000 Menschen haben Poppes Post bereits geliked, knapp 10.000 haben ihn geteilt. Die User sind vermutlich von so viel Ehrlichkeit begeistert und finden sich in jeder Zeile dieses Posts wieder. “Ich habe ihn unter ständigem Nicken gelesen. Mein Sohn hat mich verwirrt angeschaut. Toller Text und absolut war“, lobt ein Facebook-Nutzer. Ein anderer bringt es auf den Punkt: “Besser kann man es wirklich nicht ausdrücken. Danke!“