Varta kündigt Börsengang an


Nach der Absage im vergangenen Jahr wagt der Batterie-Hersteller Varta einen neuen Anlauf an die Börse. Wie das Traditionsunternehmen aus dem schwäbischen Ellwangen am Mittwoch ankündigte, ist das Debüt noch in diesem Jahr geplant. Mit einer Notierung im Frankfurter Prime Standard will das Unternehmen rund 150 Millionen Euro im Wege einer Kapitalerhöhung einnehmen.

Zusätzlich bietet der bisherige Alleinaktionär, die schweizerische Holding Montana Tech, Aktien an. Das Geld will Varta für den Ausbau der Produktionskapazitäten nutzen, Zukäufe sind ebenfalls möglich. „Wir wollen dieses Mal nicht bis Dezember warten, sondern im Herbst ein günstiges Zeitfenster nutzen“, sagte Vorstandschef Herbert Schein dem Handelsblatt. Ende 2016 hatte Varta den Börsengang wegen des „ungünstigen Marktumfelds“ absagen müssen. Viele Investoren hätten das Jahr gedanklich schon abgeschlossen gehabt.

Der österreichische Investor Michael Tojner, der hinter Montana Tech steht, will auch nach dem Börsengang die Mehrheit behalten. Der Streubesitz soll aber etwa 40 Prozent betragen. Finanzexperten zufolge dürfte sich die Bewertung von Varta an den Bewertungen der börsennotierten Hörgeräte-Hersteller, an die das Unternehmen seine Batterien hauptsächlich liefert, orientieren. Mittelfristig könnte die Technologiefirma ein Kandidat für den TecDax sein.

Bereits in früheren Jahren war Varta an der Börse notiert. Die Industriellenfamilie Quandt, die vor allem als BMW-Großaktionär bekannt ist, hatte das damalige Unternehmen im Jahr 2002 zerschlagen. Das Geschäft mit Autobatterien ging im Zuge dessen an den US-Autozulieferer Johnson Controls. Die Haushaltsbatterien wurden an Rayovac, heute Spectrum Brands, verkauft. Tojner übernahm die Mikrobatterien-Sparte und später auch die Holding. Diese wurde 2007 von der Börse genommen.


Im Jahr 2016 erzielte Varta einen Umsatz von rund 214 Millionen Euro. Der Großteil des Umsatzes, der im ersten Halbjahr 2017 noch einmal um 13 Prozent gestiegen ist, entfallen auf Knopfzellen für Hörgeräte und tragbare Geräte wie etwa Kopfhörer. Den Rest macht das zweite Standbein, die Energiespeicher, aus. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) betrug Ende des vergangenen Jahres 26 Millionen Euro.

Bei Mikrobatterien, wo sich Varta mit Knopfzellen für Hörgeräte als Marktführer sieht, will das Unternehmen kräftig expandieren. Besonders hohe Chancen sieht Varta-Vorstandschef Herbert Schein in aufladbaren Lithium-Ionen-Batterien für schnurlose Kopfhörer: „Die Nachfrage nach unseren Produkten wächst massiv, so dass wir die Produktionskapazitäten erheblich ausbauen müssen.“ Das Unternehmen beabsichtigt, etwa 80 Millionen Euro in die Ausweitung der Produktionskapazität von Lithium-Ionen-Batterien und rund 30 Millionen Euro für den Aufbau einer neuen Produktionslinie für Zink-Luft-Hörgerätebatterien zu investieren.


Während Varta bei den Mikrobatterien also vor allem aus eigener Kraft wachsen will, sind beim zweiten Standbein, den Batterielösungen, auch Zukäufe möglich. Die sogenannten Power Packs von Varta bestehen aus der Batterie und der Elektronik für das Batteriemanagement. Das Unternehmen könnte sich vorstellen, die „Kompetenzen insbesondere im Bereich Software und Elektronik im Zuge einer möglichen Akquisition zu stärken“, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung.

Varta könnte in Frankfurt der fünfte Börsengang des Jahres werden. Bislang sind der Maschinenbauer Aumann, der Lieferdienst Delivery Hero, die Restaurantkette Vapiano und der LKW-Zulieferer Jost-Werke in den Handel gestartet. Ebenfalls noch im Herbst will Paragon seine Batterie-Tochter Voltabox an die Börse bringen.

Ein genaues Datum für den Börsengang nannte Varta noch nicht. Üblich ist aber ein Zeitfenster von vier Wochen nach der Ankündigung. Begleitet wird der Börsengang von Berenberg und Unicredit. Das größte Interesse an dem Börsengang dürften institutionelle Investoren aus den USA haben.