Van der Vaart: Oranje ewig chancenlos gegen DFB-Team

Reinhard Franke
Rafal van der Vaart zog mit der Elftal 2010 ins WM-Finale ein

Für die stolze Fußball-Nation Niederlande ist es seit Dienstagabend traurige Gewissheit: die WM 2018 in Russland findet ohne den WM-Dritten von 2014 statt. Das Aus von Oranje in der Qualifikation lässt die Fans bittere Tränen vergießen.

Selbst Bayern-Star Arjen Robben konnte am Dienstag nichts mehr retten - auch wenn er mit einem Doppelpack beim 2:0-Sieg gegen Schweden voranging.


"Ich bin sehr traurig und es tut weh. Geschockt bin ich nicht, weil sich der Absturz schon lange angedeutet hat. Das ist eine ganz schlimme Situation für den Fußball in den Niederlanden, die Menschen sind total traurig", sagt Rafael van der Vaart, der von 2003 bis 2013 mit Robben zusammen im Nationalteam spielte, im Gespräch mit SPORT1.

Beim 0:4 in Frankreich war der Ex-Kapitän des Hamburger SV zum ersten Mal wieder im Stadion. "Da war ich schon geschockt vom Niveau von Oranje im Vergleich mit Les Bleus", so van der Vaart.


Keine Stars wie früher

Der Grund für den Niedergang liegt für den 34-Jährigen auf der Hand. "Wir haben nicht mehr die Sneijders, Van Persies, Van Bommels, Bergkamps und wie sie alle heißen. Die sind leider nicht mehr da. Das ist das größte Problem. Natürlich gewinnen wir gegen Nationen wie Schweden oder Ungarn, aber mehr nicht."

Und Van der Vaart blickt da zum einstigen Erzfeind. "Der Unterschied zu Deutschland ist aktuell riesig. Das ist sehr ernüchternd. Wir haben auch im Jugendbereich keinen Spieler, der hochkommt und die Qualität hat, wie wir sie früher gehabt haben. Das ist leider so."

Und er begründet dies auch: "Die Spieler wie wir damals haben in Topvereinen gespielt und hatten dort eine wichtige Rolle inne, heute sind einige dabei, die bei Watford spielen. Bei allem Respekt vor Watford."

Die Erfahrung, die seine Generation damals gehabt hätte und diese auch mit zur Nationalmannschaft brachte, sei "heute einfach nicht mehr da. Und das ist verdammt schade und das kann man nicht vergleichen mit dem, was jetzt auf dem Platz steht."

Van der Vaart fügt ganz realistisch hinzu. "Wir können nicht mehr gegen Deutschland oder Frankreich gewinnen."


Van der Vaart träumt von Bosz

Was muss besser werden? "Die Nationalmannschaft muss von Null anfangen", betont Van der Vaart. "Wahrscheinlich wird ein neuer Nationaltrainer kommen. Die Talente, die wir haben, müssen wir behutsam aufbauen, ihnen das Vertrauen und eine Chance geben. Sie sind aber noch nicht so weit. Das wird dauern."

Und wieder schaut Van der Vaart etwas neidisch zum DFB-Team. "Die können momentan drei Top-Mannschaften aufstellen."

Für den Neuanfang hat Van der Vaart zwei Wunschkandidaten als neue Nationaltrainer im Kopf. "Peter Bosz ist für mich der Trainer, der in den vergangenen zwei Jahren bewiesen hat, dass er ein Top-Mann ist, das zeigt er jetzt auch bei Borussia Dortmund. Aber er wird da nicht weggehen. Der BVB begeistert unter Bosz ganz Deutschland."

Und er nennt einen zweiten großen Namen: "Ronald Koeman ist auch ein guter Kandidat, der gerade mit seinem Bruder (Erwin, d. Red.) in Everton arbeitet. Vielleicht wird er frei und könnte das machen."