Valentino Rossi: "Habe viel Druck für Testteam gemacht"

Gerald Dirnbeck

Nachdem Honda in der MotoGP-Saison 2018 rund um Stefan Bradl ein europäisches Testteam aufgebaut hat, zieht nun auch Yamaha nach. Für 2019 wird an einer Testmannschaft mit Basis in Europa gearbeitet. Zu lange mussten Valentino Rossi und Maverick Vinales auf neue Entwicklungsteile warten. "Ich habe viel Druck für ein Testteam gemacht", bestätigt Rossi beim Grand Prix von Tschechien. "Ich finde es eine tolle Idee."

Yamaha hat zwar mit Katsuyuki Nakasuga einen japanischen Testfahrer, doch der mehrfache Sieger der 8 Stunden von Suzuka hat nicht das Tempo der beiden Stammfahrer. Man kann in Japan zwar Ausdauertests für die Zuverlässigkeit absolvieren, aber keine Performanceteile testen. "Die Strecken in Japan sind auch ganz anders im Vergleich zu Europa", hält Rossi einen weiteren wesentlichen Unterschied fest. "Für Yamaha wird das neue Testteam sehr wichtig sein."

Für dieses Projekt wird ein schneller Testfahrer gesucht, der auch bei eventuellen Wildcard-Starts in die Punkteränge fahren kann. "Um etwas zu verstehen", sagt Rossi, "braucht man einen Fahrer, der so schnell ist wie ich und Maverick - oder nur wenig langsamer ist. Es gibt verschiedene Namen auf der Liste. Smith ist einer, Folger ist ein anderer, der das Motorrad schon kennt. Es ist auch wichtig, dass der Fahrer nicht zu alt ist und schnell fahren kann."

Jonas Folger, Monster Yamaha Tech 3 Motorsport.com

Jonas Folger, Monster Yamaha Tech 3

Foto: Gold and Goose / LAT Images

Die Kriterien, die sich Rossi wünscht, würden alle für den 24-jährigen Folger sprechen. Schon nach dem Sachsenring hatte der Italiener die Fähigkeiten des Deutschen gelobt. Im Fahrerlager gehen derzeit viele davon aus, dass Folger Kandidat Nummer 1 für diesen Job ist. Eine offizielle Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Yamaha will demnächst weitere Informationen über das neue Testteam verlautbaren.

Warum wird Testteam in Europa immer wichtiger?

Yamaha folgt damit einem Trend, den zunächst Ducati mit Michele Pirro eingeleitet hat. Auch KTM verpflichtete mit Mika Kallio einen schnellen Testfahrer. Honda hat im vergangenen Winter damit begonnen, ein Testteam in Europa aufzubauen. Für Suzuki arbeitet Sylvain Guintoli. Der Superbike-Weltmeister von 2014 kann mit seiner reichhaltigen Erfahrung einen Beitrag bei der Entwicklung leisten, auch wenn er nicht mehr der Schnellste ist. Und auch Aprilia will ein stärkeres Testteam auf die Beine stellen, eventuell mit Fahrer Scott Redding.

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Aber warum ist ein europäisches Testteam so wichtig geworden? "Die Regularien werden immer enger gestrickt und auch die Testtage werden immer weniger", sagt Bradl, der in Brünn seinen ersten Wildcard-Einsatz für HRC absolviert. "Jetzt werden auch die Vorsaisontests gekürzt. Ich würde sagen, dass die Stammfahrer auch aus Budgetgründen weniger zum Fahren kommen." Aus Kostengründen gibt es per Reglement strikte Vorgaben, wie oft die Stammfahrer außerhalb der offiziellen Testtage mit MotoGP-Bikes fahren dürfen.

Stefan Bradl, HRC Honda Team Motorsport.com

Stefan Bradl, HRC Honda Team

Foto: Gold and Goose / LAT Images

Für die Werksfahrer von Honda, Yamaha und Ducati sind fünf private Testtage pro Saison erlaubt. Aufgrund der Konzessionspunkte sind diese Tage für die Stammfahrer von Suzuki, Aprilia und KTM unlimitiert. Die restlichen Satellitenteams dürfen maximal sechs private Testtage absolvieren, wobei die Kundenteams dieses Kontingent aus Kostengründen oft gar nicht ausschöpfen. Deshalb ist es für die Werksteams wichtig, einen schnellen Fahrer in einem eigens aufgestellten Testteam zu haben, um die Entwicklung voranzutreiben.

"Der Testfahrerjob ist wichtiger geworden, weil es Pirro mit Ducati und Kallio mit KTM vorgemacht haben", betont Bradl. "Gut, sie hatten es als europäischer Hersteller etwas einfacher. Man sieht, wie professionell sich Honda aufgestellt hat. Yamaha wird auch nachziehen, weil es eben wichtig ist, dass die Werke vorwärtskommen. Das ist auf europäischen Strecken etwas besser, als wenn man nur in Japan Sachen ausprobiert." Außerdem finden zwölf Saisonrennen in Europa und nur eines in Japan statt.