Das Vögelchen zwitschert Gewinn


Der Nachrichtendienst Twitter musste in der Vergangenheit jede Menge Spott über sich ergehen lassen: Das Yahoo der sozialen Netzwerke, meinten manche – weil von den einstmals glänzenden Aussichten ungefähr so viel übrig blieb wie beim Internet-Dino Yahoo. Um das Ganze noch ein wenig schlimmer zu machen, wurde das Beispiel Twitter herangezogen, um die Erfolgsaussichten von Snapchat, einer anderen App aus dem Silicon Valley, kritisch zu hinterfragen. Das könnte sich nun ändern.

Der Kurznachrichtendienst ist war für viele längst Alltag im Nutzungsmischmasch von sozialen Netzwerken geworden, nur mit dem Gewinn haperte es immer. Verluste, das gehört bislang zu Twitter, wie die 140 Zeichen. Doch Anleger dürfen hoffen: Der Internet-Konzern könnte im laufenden vierten Quartal erstmals einen Gewinn ausweisen.

Im vergangenen Quartal übertraf Twitter die Erwartungen von Analysten bei Umsatz und Gewinn und steigerte die Zahl monatlich aktiver Nutzer um vier Millionen. Die Aktie legte in einer ersten Reaktion vor Beginn des regulären Handels am Donnerstag um mehr als acht Prozent zu.


Mit roten Zahlen war das Unternehmen 2013 reichlich euphorisch an der Börse gestartet – und zu Beginn sah es auch so aus, als hätte die Realität auch ihre Freude an den Hoffnungen der Twitter-Führungsriege: Lag der Ausgabepreis damals noch bei 26 Dollar, kletterte der Kurs am ersten Tag an der Wall Street zunächst um 80 Prozent, dann sogar um 93 Prozent auf rund 50 Dollar nach oben.

Anfang 2014 erreichte das Papier sogar einen Höchststand von über 64 Dollar. Doch danach ging es bergab – bis auf ein Tief von unter fünfzehn Dollar. 2016 hatte es sogar Spekulationen über einen Verkauf gegeben. Angebliche Interessenten wie Salesforce über Google bis Disney, verneinten jedoch. Im Oktober vergangenen Jahres teilte Twitter mit, etwa neun Prozent der weltweiten Belegschaft zu entlassen.


Chef Jack Dorsey versuchte Anlegern und womöglich auch sich selbst Mut zu machen: „Wir haben einen klaren Plan und wir nehmen die nötigen Veränderungen vor, um sicherzustellen, dass Twitter für langfristiges Wachstum aufgestellt ist“, versprach Gründer er damals und hielt an dem Ziel fest 2017 endlich profitabel zu werden. Auch von prominenter Stelle gab es Unterstützung: Investor Steve Ballmer, ehemaliger Microsoft-Chef, gab gegenüber dem US-Nachrichtensender CNBC Mitte Juli Bekannt: „Twitter ist eine sehr gute Anlage.“

Sie hätten gute Arbeit geleistet bei der Verbesserung des Produkts und der Monetarisierung, der Markt habe das verstanden. Es sei aber nicht an der Zeit den Fuß von der Bremse zu nehmen, es sei noch Arbeit zu tun. Analysten zeigten sich wieder verhalten zuversichtlich.

Zu den vergangenen Quartalszahlen blieb das Aufatmen allerdings aus: Der Verlust nahm im Jahresvergleich von 107,2 auf 116,5 Millionen Dollar (99,4 Millionen Euro) zu. Die Werbeeinnahmen sanken um acht Prozent auf 489 Millionen Dollar. Beim gesamten Konzernumsatz gab es einen fünfprozentigen Rückgang auf 574 Millionen Dollar.


Allerdings musste Twitter auch einräumen, dass seit 2014 die Nutzerzahlen wegen eines Fehlers bei der Auswahl der Datenquellen leicht überhöht dargestellt wurden. Deshalb waren es im zweiten Quartal zum Beispiel 326 Millionen aktive Nutzer statt der zuvor gemeldeten 328 Millionen. Bis Ende September stieg die Zahl nach korrekter Berechnung auf 330 Millionen.

Der Quartalsumsatz sank im Jahresvergleich um gut vier Prozent auf 589,6 Millionen Dollar. Analysten hatten allerdings mit noch etwas niedrigeren Erlösen gerechnet.

Unterm Strich ergab sich ein Verlust von gut 21 Millionen Dollar nach einem Fehlbetrag von 103 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Beim bereinigten operativen Ergebnis pro Aktie übertraf Twitter aber die Erwartungen der Börsianer deutlich. Leise zwitschert es Hoffnung.