Väter: Nicht ohne mein Kind

Vater und Tochter im Glück. Kinder haben ein Recht auf beide Elternteile

Irgendetwas war anders als sonst. Das hatte er gleich gemerkt, als er von der Arbeit nach Hause kam und die Wohnungstür aufschloss. Pauls* Anorak hing nicht an der Garderobe. Auch seine winzigen Nikes waren verschwunden. Die Wohnung wirkte überhaupt merkwürdig leer ohne seinen Sohn. Tim Koletzki* sagt, es sei ein Gefühl gewesen, als hätte ihm jemand das Herz herausgerissen. Juana*, seine Lebensgefährtin, war gegangen, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Paul, den gemeinsamen Sohn, hatte sie mitgenommen.

Über drei Jahre ist das jetzt her, und wenn Koletzki das erzählt, klingt er, als könne er das immer noch nicht glauben. Er sitzt auf der Dachterrasse seines Appartements in Kreuzberg. Ein braungebrannter Endvierziger in Bermudas und weißem Hemd. Er sieht aus, als käme er gerade aus dem Urlaub. Dabei, sagt er, zerre der Streit um Paul an seinen Nerven.

Er und Juana waren nicht verheiratet. Sie kam als Aupair aus Südamerika. Sie kannten sich kaum. Acht Monate hat es gedauert, bis ihm das Gericht das gemeinsame Sorgerecht für den Sohn eingeräumt hat. Der Schriftverkehr mit Anwälten, Ämtern und Behörden füllt inzwischen sechs DIN-A4-Ordner. Sein Sohn lebt jetzt mit der Mutter in der Pfalz. Er holt ihn jeden zweiten Donnerstag für ein langes Wochenende nach Berlin, 620 Kilometer hin, 620 Kilometer zurück. Man kann sagen: Der Kampf um seine Rechte als Vater bestimmen sein Leben.

Tim Koletzki ist nicht allein. In Deutschland werden jedes Jahr allein 170.000 Ehen geschieden. Der Kampf u...

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