Usbekischer Journalist unternimmt nach Abschiebeurteil in Russland Suizidversuch

Ein usbekischer Journalist, der nach dem Urteil eines Moskauer Gerichts in seine Heimat abgeschoben werden sollte, hat einen Suizidversuch unternommen. Chudoberdi Nurmatow habe versucht, sich noch im Gerichtssaal mit einem Kugelschreiber die Pulsadern aufzuschneiden, sagte einer seiner Anwälte, Daniil Chajimowitsch, am Mittwoch. Nach eigenen Angaben wurde Nurmatow, der für die russische Zeitung "Nowaja Gaseta" unter dem Namen Ali Ferus arbeitete, in Usbekistan gefoltert.

Nurmatow war am Dienstag bei einer Identitätskontrolle von der Polizei festgenommen und am Mittwoch einem Richter vorgeführt worden. Als er nach dem Urteil versuchte, sich umzubringen, schritten Saalwächter ein, wie der Anwalt berichtete. Ein anderer Anwalt, Filip Schischow, sagte, Nurmatow sei überzeugt, dass er in Usbekistan wegen seiner sexuellen Orientierung und seiner Aktivitäten gefoltert werde.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte, Ferus sei "offen homosexuell, ein Aktivist für die Menschenrechte und Korrespondent der unabhängigen Zeitung 'Nowaja Gaseta'". Dies sei eine "fast tödliche Kombination für jemanden, der kurz davor steht, nach Usbekistan abgeschoben zu werden, wo Homosexualität ein Verbrechen und Folter endemisch" seien, erklärte der Vize-Direktor für Europa und Zentraleuropa, Denis Kriwoschejew.

Die Organisation Human Rights Watch forderte, Russland müsse den Journalisten schützen. Nurmatow wurde in Russland geboren und lebte ab seinem 17. Lebensjahr in Usbekistan. Nachdem er dort laut der "Nowaja Gaseta" festgenommen und gefoltert wurde, verließ er das Land 2009 fluchtartig. Demnach verlor er 2012 seinen usbekischen Pass.

2014 stellte Nurmatow einen Asylantrag in Russland, der abgelehnt wurde. Im März 2017 wurde er ein erstes Mal festgenommen. Die Behörden werfen ihm vor, er halte sich illegal im Land auf.

Menschenrechtsaktivisten üben regelmäßig scharfe Kritik an Usbekistan - unter anderem kritisieren sie die strenge Kontrolle der Medien, Verstöße gegen die Menschenrechte und die Inhaftierung von Oppositionellen.