USA ziehen Diplomaten ab

Mindestens 21 US-Diplomaten und deren Angehörige in Kuba erlitten seit vergangenem Jahr Hörschäden oder leiden an kognitiven Problemen. Warum, ist nach wie vor ein Rätsel. Die US-Regierung zieht jetzt die Konsequenzen.


Die USA haben nach unerklärlichen Attacken auf amerikanische Diplomaten in Kuba den Abzug von mehr als der Hälfte ihres Botschaftspersonals veranlasst. Solange die kubanische Regierung nicht die Sicherheit der US-Diplomaten garantieren könne, werde dort nur noch ein Rumpfteam stationiert bleiben, sagte US-Außenminister Rex Tillerson am Freitag. Auch eine Reisewarnung für amerikanische Touristen wurde ausgegeben.

Hintergrund sind mysteriöse Attacken, die vor fast einem Jahr begannen und bei denen mindestens 21 US-Diplomaten und ihre Familienangehörigen verletzt wurden. Ungeklärt ist, wer oder was für die Angriffe verantwortlich war, die bei einigen Opfern Gehirnerschütterungen und dauerhaften Verlust des Hörvermögens auslösten. Einige litten unter Schwindel, Kopfschmerzen und kognitiven Problemen, hieß es in der Mitteilung des Außenministeriums.

Beschreibungen der Angriffe durch die Opfer erinnern an Science-Fiction-Thriller. So berichteten einige davon, dass es in Räumen regelrechte Schallblasen mit dröhnenden Lärm gegeben habe, aber in anderen Teilen der Räume alles ruhig war. Andere hörten gar nichts und wiesen danach trotzdem Symptome auf. Spekulationen, dass es eine mit Schallwellen arbeitende Waffe dafür verantwortlich war, bestätigten sich bisher nicht.

Die US-Regierung hat die kubanische Regierung nicht direkt bezichtigt, hinter den Angriffen zu stecken. Diese streitet das auch ab. Ermittler schließen auch nicht aus, dass ein Drittland oder eine abtrünnige Gruppe aus dem kubanischen Militärapparat dafür verantwortlich sein könnte.

US-Präsident Donald Trump äußerte sich nur vage zu dem Fall. Es habe ein „großes Problem“ in Kuba gegeben und „sie haben sehr schlimme Dinge getan“, sagte Trump am Freitag. Weder sagte er, wen er mit „sie“ meinte, noch was die „schlimmen Dinge“ waren.

Die kubanische US-Beauftragte Josefina Vidal sagte, die Entscheidung der US-Regierung sei voreilig gewesen und werde den bilateralen Beziehungen schaden. Die beiden Länder waren sich nach einem halben Jahrhundert der Feindschaft erst unter dem früheren US-Präsidenten Barack Obama wieder näher gekommen. 2015 wurden wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen, Handels- und Reisebeschränkungen gelockert. Obamas Nachfolger Trump hat einige Details dabei zurückgenommen, die Politik der Wiederannäherung im Großen und Ganzen aber beibehalten.

Trotz der Reisewarnung der Regierung kündigten eine Reihe von Reiseveranstaltern an, weiter in Kuba tätig zu bleiben. Auch US-Fluggesellschaften und Kreuzfahrtunternehmen wollten keine Flüge und Fahrten auf die Insel absagen.

Das US-Außenministerium hatte es in dem mysteriösen Fall bisher offiziell vermieden, von Angriffen auf seine Diplomaten zu sprechen und stattdessen die Formulierung „Zwischenfälle“ gewählt. Doch in der Erklärung am Freitag war nun von „spezifischen Angriffen“ die Rede.

Vorerst wollten die USA darauf verzichten, kubanische Diplomaten zur Ausreise aufzufordern, hieß es weiter. Das hatten einige Kongressmitglieder verlangt. Im Mai forderte Washington zwei kubanische Diplomaten zur Abreise auf. Damals wurde betont, dass dies ein Protest gegen das Versagen der kubanischen Regierung sei, US-Diplomaten zu schützen. Eine Schuldzuweisung sei damit nicht verbunden gewesen.