Erste Festnahme im Abgasskandal in Deutschland

Der Abgasskandal hat VW bereits mehr als 20 Milliarden Dollar gekostet. Nun hat das US-Justizministerium eine Anzeige gegen einen Ex-Audi-Entwickler gestellt – der in Deutschland bereits festgenommen wurde.


Das US-Justizministerium hat einen ehemaligen Audi-Manager im Zuge des Diesel-Skandals angezeigt. Dem italienischen Staatsbürger werden Verschwörung, Betrug und Verstöße gegen US-Umweltgesetze vorgeworfen, wie das Ministerium am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte. Der Anwalt des Ex-Managers in den USA äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen.

Am Freitagmorgen gab in Deutschland die Staatsanwaltschaft München II bekannt, dass am Montag ein Mann festgenommen worden sei, der in Untersuchungshaft sitze. Wer er ist, welche Rolle er in der Diesel-Affäre spielt und was ihm genau vorgeworfen wird, wollte die Behördensprecherin nicht sagen. Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ berichtet, dass es sich dabei um Giovanni P. handeln soll, den auch die US-Justiz verklagt hat. Die deutschen Ermittler werfen ihm Beteiligung am Betrug und unlautere Werbung vor – wegen dieses Vorwurfs ermitteln die Staatsanwälte auch gegen weitere namentlich bekannte Audi-Manager, jedoch kein Vorstandsmitglied. Ein Anwalt P.'s war laut dem Bericht zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Der 60-Jährige sei von 2006 bis 2015 Leiter eines Ingenieurteams bei der VW-Tochter in Neckarsulm gewesen, das Abgaskontrollsysteme entwickelt habe, teilte das Justizministerium mit. Er habe seine Angestellten angewiesen, eine Software zu entwickeln, um bei Abgastests der US-Umweltschutzbehörde zu betrügen.




Ingenieure, die die Schummel-Software entwickelt haben, hätten im Jahr 2008 eine Präsentation über das System an leitende Manager von Audi gesendet, darunter sei auch der Ex-Manager gewesen, gegen den nun die Anzeige eingeleitet wurde, hieß es in den Unterlagen des Justizministeriums. Im gleichen Jahr seien mehrere Audi-Manager zu dem Schluss gekommen, das eine Anwendung der Software „unhaltbar“ sei.

2013 habe es einen Vorschlag gegeben, das System mit den zuständigen Behörden in den USA zu besprechen. Der heute 60-Jährige habe eine Offenbarung gegenüber der Behörden aber als „zu riskant“ bezeichnet, hieß es in den Gerichtsunterlagen.




Autoriese Volkswagen hatte zugegeben, fast 600.000 Dieselautos in den USA mit einer Software so manipuliert zu haben, dass sie bei Abgastests Schadstoffnormen erfüllten. Da das auf Kosten der Leistung ging, wurden die Abgaskontrollen im Alltagsbetrieb von derselben Software abgeschaltet. Insgesamt hat der Skandal VW bereits mehr als 20 Milliarden Dollar gekostet.

Gegen sieben weitere VW-Mitarbeiter sind in den USA deshalb bereits rechtliche Schritte eingeleitet worden. Über einen ehemaligen von ihnen soll Ende des Monats ein Urteil gesprochen werden, ein Mitarbeiter befindet sich in den USA in Haft, fünf weitere Mitarbeiter sind deutsche Staatsbürger.