Die Macht am Ölmarkt verschiebt sich. Während Russland seine Förderung kürzt, greifen die USA nach der Ölkrone.

Die Macht am Ölmarkt verschiebt sich. Während Russland seine Förderung kürzt, greifen die USA nach der Ölkrone.


Am Ölmarkt bahnt sich eine Wachablösung an. Jahrzehntelang machten Russland und Saudi-Arabien den Kampf um die Spitze unter sich aus. Bereits in diesem Jahr könnten die USA aber Russland vom Thron stoßen.

Spätestens im nächsten Jahr werden die Vereinigten Staaten von Amerika wegen des anhaltenden Schieferöl-Booms an die Spitze klettern, schätzt die Internationale Energieagentur laut einem Reuters Bericht. „Das Wachstum beim US-Schieferöl ist stark und das Tempo ist sehr hoch - die USA werden sehr bald zum weltweit größten Ölproduzenten.“

Damit spricht die Agentur aus, was sich ohnehin die meisten Ölexperten längst denken. Bereits im November vergangenen Jahres haben die USA das erste Mal seit den 1970er Jahren die Produktionsmarke von zehn Millionen Barrel pro Tag durchbrochen. Damit haben die Amerikaner bereits Saudi-Arabien hinter sich gelassen, die etwas weniger als zehn Millionen Barrel pro Tag fördern.


Analysten wie David Wech von JBC Energy in Wien schätzen, dass die Produktion der USA in diesem Jahr noch bis auf elf Millionen Barrel pro Tag steigen könnte. Damit ließen sie den aktuell größten Ölproduzenten der Welt, Russland, deutlich hinter sich. Die Russen fördern laut dem jüngsten Marktbericht der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) aktuell 10,36 Millionen Barrel pro Tag. Die Amerikaner liegen nur noch wenige zehntausend Barrel dahinter.

Den Aufstieg ermöglicht die Schieferölrevolution in den USA. Bei dem sogenannten „Fracking“ wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in die Erde gepresst, um so Öl (und Gas) aus porösen Gesteinsschichten zu gewinnen. Bei Umweltschützern ist die Methode umstritten, da sie, neben den Eingriffen in die Natur, bei dem Verfahren unter anderem Langfristschäden für Grund- und Trinkwasser fürchten.

In den USA hat die Methode zu einem wahren Schieferölboom geführt. Vor allem im Permian-Becken zwischen Texas und New Mexico offenbart sich das als reiche Quelle: Allein aus dieser Region stammen derzeit fast drei Millionen Barrel pro Tag.

Die in diesem Jahr anstehende Schwemme weckt am Ölmarkt Erinnerungen an das Jahr 2014: Damals hatte die schiere Menge von Schieferöl den Markt derart überversorgt, dass der Ölpreis bis Anfang 2016 von einst 110 auf zeitweise unter 30 Dollar je Barrel (159 Liter) einbrach.


Nachdem das Ölkartell Opec gemeinsam mit zehn Partnern, darunter Russland, ihre Ölproduktion seit Anfang 2017 um 1,8 Millionen Barrel pro Tag einschränkt, konnte das Überangebot abgebaut werden. Der Ölpreis hat sich auf aktuell 67,32 Dollar für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent erholt.

Trotz der großen Menge an neuem Schieferöl rechnet aber kaum ein Experte mit einem ähnlichen Preiseinbruch wie jener, der vor vier Jahren begann. Nicht zuletzt hat die Opec bereits angekündigt, an ihren Förderkürzungen noch bis Ende des Jahres festzuhalten. Auch darüber hinaus stellte der saudischen Ölminister Khalid Al-Falih eine Partnerschaft mit Russland in Aussicht, die über „Jahrzehnte“ und „Generationen“ anhalten werde.

Zuletzt berichtete die Opec immer wieder davon, dass die Kürzungen übererfüllt wurden. Laut Opec Generalsekretär Mohammed Barkindo lag die Umsetzungsquote bei 133 Prozent. Die Quote liegt aber nicht nur wegen der freiwilligen Kürzungen so hoch. Unfreiwillige Produktionsausfälle in Venezuela, dem das Geld für die Förderung fehlt, tragen in erheblichem Maße dazu bei. Derzeit fördert das Land nur noch 1,6 Millionen Barrel Öl pro Tag. Anfang 2016 waren es noch 2,4 Millionen Barrel pro Tag.

Hinzu kommt, dass die Ölnachfrage weiter steigt. Im vergangenen Jahr dürstete die Welt nach 1,6 Millionen Barrel Öl pro Tag mehr als noch ein Jahr zuvor. Auch in diesem Jahr werde die Nachfrage steigen. Das alles in Kombination dürfte den Ölpreis auf der Unterseite stabilisieren.

Die USA dürften dann das Zepter auch so schnell nicht wieder hergeben. Dem Schieferöl wird noch bis Mitte der 2020er Jahre großes Wachstum prophezeit. Erst danach sinken die Zuwachsraten.