Wer in den USA saubere Wäsche will, sollte besser neue kaufen

Strafzölle auf Solarpanele und Waschmaschinen: US-Präsident Trump will den heimischen Markt schützen. Problem: Die Wäsche wird nicht sauber. An der US-Waschmaschine werden kulturelle Differenzen sicht- und riechbar.

Um die heimische Wirtschaft zu schützen, erklärte US-Präsident Donald Trump, dass künftig auf bestimmte Produkte hohe Zölle erhoben werden und auch gleich Einfuhrquoten festgelegt werden. Die beiden betroffenen Produkte: Solarpanele und Waschmaschinen.

Wer sich ob dieser Entscheidung ungläubig die Augen reibt und die Gemeinsamkeiten zwischen Solarzellen und Waschmaschinen sucht, ist schon beschäftigt genug. Fast so sehr wie die Bewohner der USA, die versuchen, ihre Wäsche in heimisch produzierten Maschinen a) sauber und b) intakt zu halten. Beides, so legen es zahlreiche Online-Nutzerberichte von Immigranten aus Deutschland oder der Schweiz nahe, ist nicht selbstverständlich.

Im Umgang mit verschmutzten Handtüchern, Bettwäsche und T-Shirts manifestieren sich tiefgreifende kulturelle Unterschiede. Sie gehören seit Jahren zu den beliebteren Themen derjenigen, die ihre Erfahrungen in der größten Demokratie der Welt aufschreiben.




Erster Unterschied: Während in Deutschland das Niederknien vor der Trommel das letzte bisschen an Leibesübung vieler Menschen darstellt, wirft das Gros der amerikanischen Bürger die bekleckerten Textilien von oben ins Gerät. In den USA dominiert der Top-Lader. Allein - die Nation, die als erstes einen Menschen auf den Mond entsandt hat, der wir Innovationen wie das iPhone verdanken, bewegt sich bei der Auswahl der Geräte für die Reinigung der Bekleidung den Berichten zufolge gefühlt noch im Zeitalter der Pferdekutsche.

Außer beim Tempo. Denn schnell sind sie, die Maschinen, die die Jeans und Hemden eher rühren als schleudern. Effizienz ist alles, 25 bis 30 Minuten dauert der gesamte Vorgang. Lächerlich kurz, wenn man bedenkt, dass hierzulande Menschen ihre Beziehungen in Waschsalons pflegen. Speeddating versus gründliches Kennenlernen.

Schwerer wiegt noch die Waschtemperatur. Sie ist warm, kalt oder irgendwas dazwischen, je nach dem, was die Leitung gerade so hergibt, wenn man den Berichten genervter Nutzer glaubt. Ist hierzulande die in den Wäscheetiketten vermerkte maximale Waschtemperatur nahezu Gesetz für ein sauberes Ergebnis, scheint sie bei gängigen US-Modellen, von denen hierzulande noch nie jemand gehört hat, so frei wählbar zu sein wie der Präsident. Mit ähnlichen Folgen.



Die Wäsche wird meist alles, nur nicht sauber. Wer reinweiße Wäsche will, sollte besser neue kaufen. Wer an einem T-Shirt hängt, sollte es nicht den in den USA handelsüblichen Maschinen überlassen. Löcher und Verfärbungen sind quasi eingepreist in den künftig günstiger wirkenden Maschinen aus heimischer Produktion. Die Webseite thewirecutter.com empfiehlt jenen Interessenten, "die sich nicht mit hochmodernen effizienten Waschmaschinen plagen wollen", die "Speedqueen", ein "oldschool agitator washer, that's made for at least a couple decades." Im Gegensatz zu den Textilien, die die Behandlung schlecht verkraften. Vergilbung, Muff (reduziert mit destilliertem Heinz-Essig) und Löcher sind Alltag in der amerikanischen Mittelschicht, so scheint es.

Die Reichen und Schönen an der 5th-Avenue, so sie denn überhaupt selbst waschen, setzen natürlich auf bessere Technik. Den deutschen Herstellern von Möbeln mag es ein Dorn im Auge sein, dass für die Einrichtung von Luxusappartements gerne Sofas und Tische italienischer oder französischer Herkunft bezogen werden. Doch die deutschen Produzenten ingenieurslastiger Produkte können in sich selbst ruhen. Kaum eine Immobilienanzeige für die Wohlhabenden, die nicht Küchentechnik und Haushaltsgeräte aus deutscher Produktion anpreist.

Auch Apple-Guru Steve Jobs setzte, so will es die Legende, auf Waschmaschinen aus Europa und verwies auf die effizientere Verwendung von Energie und Wasser bei besserem Waschergebnis - wenngleich bei längerer Dauer.