USA reduzieren wegen "Akustik-Attacken" Botschaftspersonal in Kuba deutlich

Die US-Botschaft in Havanna

Wegen angeblicher "Akustik-Attacken" gegen ihre Botschaftsmitarbeiter in Kuba ziehen die USA mehr als die Hälfte ihres Personals aus der Vertretung ab. In der Botschaft in Havanna werde es bis auf Weiteres nur noch eine Notbesetzung und keine Visavergabe mehr geben, sagte am Freitag ein hochrangiger Mitarbeiter des US-Außenministeriums. Außerdem sprach das State Department eine Reisewarnung aus. Das kubanische Außenministerium verurteilte die Maßnahmen als "voreilig".

Die Ausstellung von Visa in der US-Botschaft in Havanna werde für unbefristete Zeit eingestellt, erklärte der US-Ministeriumsvertreter. Bis die kubanische Regierung "die Sicherheit der US-Regierungsbeschäftigten sicherstellen kann", gebe es in der Botschaft nur eine Notbesetzung. Das US-Außenministerium veröffentlichte überdies eine Reisewarnung: Angesichts der "Attacken" auf die US-Botschaftsmitarbeiter werde von Reisen in den Karibikstaat abgeraten.

US-Außenminister Rex Tillerson versicherte jedoch, dass die erst vor zwei Jahren wieder aufgenommenen diplomatischen Beziehungen zu Kuba nicht abgebrochen werden sollen. Das Land habe zugesichert, die Attacken zu untersuchen, und die US-Regierung werde mit Havanna weiterhin bei diesen Untersuchungen "kooperieren".

Der kubanische Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla hatte allerdings vergangene Woche mitgeteilt, dass die Behörden seines Landes keine Belege für die "Akustik-Attacken" gefunden hätten. Zu dem Abzug der US-Diplomaten erklärte die Leiterin der Nordamerika-Abteilung im kubanischen Außenministerium, Josefina Vidal, die Entscheidung der US-Regierung sei "voreilig, und sie wird den beiderseitigen Beziehungen schaden". Ihr Land wünsche eine "aktive Zusammenarbeit zwischen den Behörden der beiden Länder, um diesen Fall zu lösen".

Nach US-Angaben erlitten 21 Botschaftsmitarbeiter gesundheitliche Schäden durch "Attacken", die vergangenes Jahr begonnen hätten. Sie hätten "schwere Verletzungen" wie Gehörverlust, Sehprobleme, Gleichgewichtsstörungen, Müdigkeitsanfälle und Schlafstörungen davongetragen, sagte der Ministeriumsmitarbeiter. Die genauen Ursachen und die Urheber konnten bislang aber nicht bestimmt werden.

US-Regierungsvertreter hatten zuvor in US-Medien den Verdacht geäußert, dass die Botschaftsmitarbeiter mit Schallgeräten innerhalb oder außerhalb ihrer Wohnungen in Havanna angegriffen worden seien. Washington beschuldigt die kubanische Regierung nicht, selbst hinter den angeblichen Angriffen zu stecken. Die US-Regierung hat aber wiederholt gemahnt, dass Havanna für die Sicherheit ausländischer Bürger innerhalb des kubanischen Staatsgebiets verantwortlich sei.

Auch Mitarbeiter der kanadischen Botschaft in Havanna und deren Familien sollen von den angeblichen "Akustik-Attacken" betroffen sein. Aus dem Umfeld der dortigen kanadischen Vertretung verlautete, mehr als fünf Familien litten unter Beschwerden, darunter mehrere Kinder.

Die Affäre um die angeblichen Angriffe stellt eine schwere Belastung für die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba dar, die sich unter dem früheren US-Präsidenten Barack Obama auf den Weg der Normalisierung begeben hatten. Nach jahrzehntelanger Eiszeit wurde die US-Botschaft in Havanna im Juli 2015 wiedereröffnet.

Der heutige US-Präsident Donald Trump leitete allerdings im Juni eine Abkehr von Obamas Kuba-Politik ein. Er nahm von seinem Amtsvorgänger eingeführte Lockerungen bei den Reise- und Handelsbeschränkungen mit dem kommunistischen Inselstaat zurück. Trump bezeichnete die kubanische Regierung als ein "grausames und brutales Regime" und machte die künftigen bilateralen Beziehungen von Fortschritten bei den Menschenrechten abhängig.