USA: Polizisten fühlen sich von Star-Trek-Waffen bedroht und verhaften zwei Männer

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 4 Min.

Zwei Polizisten haben in Kalifornien gewaltsame Verhaftungen durchgeführt, weil sie sich angeblich von Waffen an den Wänden bedroht gefühlt haben. Dabei handelte es sich allerdings um Nachbildungen aus der Serie Star Trek.

NEW YORK, USA - 01 MAY, 2020: Police officers performing his duties on the streets of Manhattan.
Zwei Polizisten haben bei einer Verhaftung Gewalt angewendet. Sie haben sich angeblich von Waffen an den Wänden - Nachbildungne aus einer Serie - bedroht gefühlt. Foto: Symbolbild / gettyimages

In der Stadt Fort Lauderdale (Florida) wurden am Montag zwei Polizisten angeklagt. Der Vorwurf: Sie hätten die Bürgerrechte zweier Männer verletzt, die sie in deren Garage angeblich unter „Anwendung exzessiver Gewalt“ verhafteten.

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Die Polizisten gaben als Grund für ihr Vorgehen an, sie hätten gewusst, dass die beiden Männer Pistolen besaßen. Außerdem hätten sie sich von den Waffen an den Wänden der Garage bedroht gefühlt. Diese waren allerdings nicht real, sondern Nachbildungen von Waffen aus der Fernsehserie Star Trek. Zudem besaßen die beiden Zivilisten Waffenscheine, sie durften also ganz legal und verdeckt Pistolen bei sich tragen.

Gebiss aus dem Mund geschlagen

Die Klage vorgebracht haben die beiden Brüder Raymond und Randall Purcell. Sie fordern darin Schadenersatz in Höhe von 75.000 US-Dollar (umgerechnet rund 63.000 Euro) für den Vorfall, der sich bereits im April 2017 ereignet hat.

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Die Polizei gerufen haben die beiden Kläger dabei selbst, weil ihr Wagen aufgebrochen worden war. Zum Tatort kamen die beiden Polizisten Steven Pohorence und Alexander Paul. Nachdem diese das Schloss des Wagens inspiziert hatten, wollten sie allerdings keine Anzeige aufnehmen. Angeblich begründeten sie das damit, weil der Schaden unter 1.000 US-Dollar (rund 840 Euro) lag.

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Daraufhin, so heißt es laut Miami Herald in der Anklageschrift, hätten sich die Parcells aufgeregt. Raymond, zum Zeitpunkt des Vorfalls 62 Jahre alt, habe eine Taschenlampe, mit der er für die Beamten das Türschloss seines Wagens angeleuchtet hatte, in die entgegengesetzte Richtung der beiden Polizisten geschleudert. Dann wollte er in sein Haus gehen. 

Daran aber habe ihn Polizist Paul gehindert und ihn ihm mit dem Griff seiner Pistole niedergeschlagen. Dann habe er Raymond zu Boden gedrückt und dessen Arm auf den Rücken gedreht, bis dieser lautstark knackte und taub wurde. Polizist Paul habe den am Boden liegenden Mann dann ins Gesicht geschlagen, so hart, dass dessen „Zahnprothese aus dem Mund flog“. Raymond habe währenddessen gefleht, dass die Polizisten aufhörten. Außerdem habe er immer wieder wiederholt, dass er eine Behinderung habe. Als sein Bruder Randall eingreifen wollte, habe ihn der zweite Polizist Pohorence daran gehindert, indem er ihn niedertrat. Pohorence habe dann seinen Fuß auf das Gesicht Randalls gepresst und damit einen Riss nur Millimeter unter dessen Auge verursacht.

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Das Vorgehen der Polizisten hatte bei den beiden Klägern laut Anklageschrift unter anderem körperliche Verletzungen, seelische Qualen, Demütigung, Verdienstausfall und den Verlust der Fähigkeit zum Arbeiten zur Folge.

Die Frage, ob sie einen Grund gehabt hätten, die Brüder zu verhaften, verneinten die Polizisten. Sie hätten sie stattdessen aufgrund eines „officer-safety issue“ festgehalten – weil sich also die beiden Polizisten bedroht gefühlt hätten.

Wiederholte Gewaltanwendung im Dienst

Beide Polizisten haben laut The Hill bereits mehrfach Gewalt im Einsatz ausgeübt. Pohorence wurde dafür in seinen bisherigen vier Dienstjahren in insgesamt 79 Fällen intern überprüft, er hat in dieser Zeit außerdem mehr als einmal pro Monat seine Waffe gezogen. Zuletzt wurde einer der Vorfälle im vergangenen Juni öffentlich. Damals wurde Pohorence wegen schwerer Körperverletzung angeklagt, weil er während eines Protests gegen Polizeigewalt und Diskriminierung Schwarzer – die weltweit nach dem Tod George Floyds stattfanden – eine kniende Protestierende auf den Boden schlug.

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Sein Kollege Paul wird derzeit in einem zweiten Fall angeklagt, weil er im Einsatz auf einen Mann geschossen und ihn dabei beinahe getötet hat. Laut Anklage sei das Vorgehen vollkommen überzogen gewesen, der Mann habe keine Gefahr dargestellt und zudem keine Waffe gehabt.

Alle Überprüfungen ohne Tadel

Beide Polizisten wurden bei allen internen Untersuchungen ihrer Polizeibehörde für nicht schuldig befunden. Das gilt auch für den Einsatz bei den Parcells, der im Jahr 2019 überprüft worden war. Allerdings wurden die Fallakten nie, wie eigentlich üblich, nach der internen Prüfung an das „Citizens‘ Police Review Board“ übergeben. Einer unabhängigen Stelle, die sämtliche internen Ergebnisse nochmals untersucht.

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