Die USA haben nichts gelernt


Schlimmer als der Erste Weltkrieg: 1914 schlitterte die Welt – wie Historiker allerdings erst im Nachhinein feststellten – „im Schlafwagen“ in die Katastrophe. Wer damals allerdings sehen wollte, konnte sehen. Jetzt geschieht es mit Ansage und unter aller Augen: Donald Trump verweigert Iran die Zusage zum 2015 geschlossenen Atomdeal, was die Wiedereinführung der erst vor gut einem Jahr aufgehobenen Sanktionen bedeuten würde. Er kündigt im gleichen Atemzug neue Strafmaßnahmen an, und er zerdeppert alle diplomatischen Erfolge in einer brennenden Krisenregion.

Die USA haben nichts gelernt: Nach George W. Bushs epochaler Fehlentscheidung, 2003 in den Irak einzumarschieren, ohne internationales Mandat und auf der angeblichen Suche nach nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen, ging der Mittlere Osten in Flammen auf. Es zündelt an immer neuen Ecken, immer neue Terrormilizen à la „Islamischer Staat“ entstehen – Geburtshelfer: Washington.


Trumps krasse Fehlentscheidung, ohne Not ein befriedetes Terrain wieder aufzuwühlen, dürfte noch verheerendere Folgen haben. Ist es doch der Beweis für jeden Autokraten auf der Welt – seien es Wahnsinnige wie Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un, militante Mullahs oder Gewaltherrscher andernorts ¬, dass es nur eine politische Lebensversicherung zu kaufen gibt: Atomwaffen. Wer keine hat, ist unberechenbaren Herrschern im Weißen Haus ausgeliefert. Nun werden Irans radikale Eliten ihr Streben nach Nuklearwaffen und Raketen ebenso wieder intensivieren wie Nordkoreas Kim in seinem Streben nach Atomraketen kaum Einhalt geboten werden kann. In Pakistan können Militärs und Milizen ungestört weiter eine Region destabilisieren, weil ihnen wegen vorhandener Atomwaffen niemand in den Arm fällt.


Nur Israel freut sich: Premier Benjamin Netanjahu hat den 2015 geschlossenen Atomdeal mit Iran immer abgelehnt, wollte – wie die Hardliner in Washington – einen Regimewechsel in Teheran von außen erzwingen. Auch Israel ist heimliche Atommacht. Auch die arabischen Nachbarn, die nun ebenfalls unter dem Vorwand des Schutzes vor Iran nach der Bombe streben werden, haben den Iran-Deal immer abgelehnt. Doch sie werden sehen, dass die USA und Israel ihnen mit Atommaterial nicht aushelfen werden und die Gefahr für sie immer weiter wächst.

Die Büchse der Pandora ist geöffnet. Ein Wahnsinn – leider mit Ansage. Wer je geglaubt hat, das Amt forme einen US-Präsidenten, sieht sich durch Donald Trump getäuscht. Er sieht sich selbst als den Besten, als einen neuen Messias. Dabei ist er nur ein Dilettant, schlimmer noch: ein Hasardeur, der bei der Suche nach einem winzigen Erfolg rücksichtslos um sich schlägt.

KONTEXT

Donald Trump über Muslime und den Terror

7. Dezember 2015

"Donald J. Trump fordert einen kompletten Stopp der Einreise von Muslimen in die USA, bis die Vertreter unseres Landes herausfinden, was hier vor sich geht." (Trump als Präsidentschaftsbewerber)

29. Januar 2017

"Um das klarzustellen, das ist kein Muslimbann, so wie es die Medien fälschlicherweise berichten." (als Präsident zum von ihm erlassenen Einreiseverbot)

22. März 2016

"Inkompetente Hillary (Clinton). Trotz des schrecklichen Anschlags in Brüssel heute will sie schwache und offene Grenzen und die Muslime hereinströmen lassen. Auf keinen Fall!" (nach dem Terroranschlag von Brüssel auf Twitter)

19. Oktober 2016

"Hillary (Clinton) hat nach 550 Prozent mehr syrischen Einwanderern gerufen, aber von radikalen islamischen Terroristen spricht sie nicht." (Trump auf Twitter)

16. November 2015

"Wir müssen die Moscheen beobachten und studieren, denn dort gibt es eine Menge Gerede (...) Aus dieser Richtung kommt absoluter Hass, dieser Hass ist unglaublich. Er ist fest verwurzelt (...) Der Hass ist stärker als wir uns vorstellen können." (In einem Interview mit dem Sender MSNBC)

22. November 2015

"Da waren Leute in New Jersey, die zusahen, große Teile der arabischen Bevölkerung, die gejubelt haben, als die Gebäude zusammenstürzten." (In einem Interview des Senders ABC zum angeblichen Jubel von Muslimen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001)

9. März 2016

"Ich denke, der Islam hasst uns." (In einem Interview des Senders CNN.)

10. Dezember 2015

"In Großbritannien gehören mehr Muslime dem IS an als der britischen Armee." (Trump auf Twitter)

28. Februar 2017

"Wir werden mit unseren Partnern zusammenarbeiten, einschließlich unseren Freunden und Verbündeten in der muslimischen Welt, um diesen schändlichen Feind vom Antlitz unserer Erde auszulöschen." (Vor dem US-Kongress zum Kampf gegen den Islamischen Staat)