USA erkennen Massaker an Armeniern als Völkermord an — die Türkei reagiert scharf und die Lira verliert

Sinan Şenyurt
·Lesedauer: 2 Min.
US-Präsident Joe Biden mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan 2016
US-Präsident Joe Biden mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan 2016

Die USA haben das Massaker an den Armeniern durch das Osmanische Reich offiziell als Völkermord anerkannt.

US-Präsident Joe Biden hatte seine Entscheidung dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan vorab telefonisch mitgeteilt. Dann veröffentlichte das Weiße Haus am Samstag eine Erklärung, in der es unter anderem hieß: „Das amerikanische Volk ehrt all jene Armenier, die in dem Völkermord, der heute vor 106 Jahren begann, umgekommen sind.”

Während des Ersten Weltkriegs waren im Osmanischen Reich bei Deportationen und Hungermärschen Hunderttausende Armenier gestorben. Angaben über die Zahl der Opfer reichen bis zu 1,5 Millionen Toten. Deutschland stufte schon 2016 das Massaker als Völkermord ein. Viele Historiker sehen den Umgang mit den Armeniers als den ersten systematischen Völkermord im 20. Jahrhundert. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches lehnt diese Sicht vehement ab.

Entsprechend harsch fiel die Reaktion der Türkei auf den Kurswechsel der USA aus. Mitglieder der Regierung in Ankara sprachen von einem "schweren Fehler" der USA. Die Interpretation seiner Geschichte sei allein Sache der Türkei. Diplomaten rechnen mit Gegenmaßnahme der Türkei.

Die neue Krise zwischen den USA und der Türkei setzt die kriselnde Wirtschaft und die türkische Währung zusätzlich unter Druck. Schon die Ankündigung, dass die USA den Völkermord anerkennen würden, lies die türkische Lira taumeln. Zum Euro verlor die Lira zum Wochenschluss mehr als 3 Prozent gegenüber der Vorwoche. Auch zum US-Dollar wurde die Lira deutlich billiger und kostete am Freitag nur noch 8,39 Lira je Dollar.

Ausländische Investoren schreckt das jetzt schon ab

Die türkische Wirtschaft steht seit langer Zeit unter Druck. Das Land wurde von der Corona-Pandemie stark getroffen und leidet unter einer schweren Rezession. Ausländische Investoren schrecken die instabile Lage, Rechtsunsicherheit und ständige Interventionen der Regierung ab.

Türkische Diplomaten in Ankara fürchten nach Infomationen von Business Insider, dass sich die Lage nun verschärft. „Die Armenien-Problematik ist in der Türkei ein sehr heikles Thema. Wenn der US-Präsident seine Rede diesbezüglich halten sollte, dann wird in Ankara der rote Knopf gedrückt und eine diplomatische Krise ausgelöst.", hieß es vor der Entscheidung.

Die wirtschaftliche Lage ist ernst

Die Arbeitslosenquote in der Türkei liegt nach offiziellen Angaben bei über 13 Prozent. Laut türkischen Studien hat sich die Zahl der Insolvenzen um fast 50 Prozent verdoppelt. Die Inflation ist hoch. Viele Menschen sind von Armut betroffen.

Ein Grund für die Krise ist auch die Finanzpolitik Erdogans und seiner islamisch-konservativen AKP. Statt die Notenbank unabhängig von der Politik agieren zu lassen, mischt sich Erdogan immer wieder ein. „So Gott will, werden wir den Zinssatz auf einstellige Werte senken und diese Zahl dann weiter reduzieren. Wir sind entschlossen“, sagte er in einer Fraktionssitzung seiner Partei. Sein Credo: Wachsen, wachsen, wachsen – komme was wolle.