US-Wahl: Vielfach geteiltes Video zeigt keine Wahlmanipulation in Detroit

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Angebliche Wahlmanipulation: Ein Video, das vor allem in konservativen und rechten US-Medien kursiert, zeigt keine Box mit verspätet eingetroffenen Wahlunterlagen. Sondern einen Kameramann, der für seine Nachtschicht Equipment transportiert.

US-Wahl 2020. (Symbolbild: Getty)
US-Wahl 2020. (Symbolbild: Getty)

Donald Trump und seine Partei versuchen, ihre drohende Wahlniederlage in einen Kontext der Unrechtmäßigkeit zu setzen: So spricht der amtierende Präsident etwa von einer „gestohlenen“ Wahl, er wiederholt Betrugsvorwürfe und berichtet von „Horrorgeschichten“, die er über Wahlmanipulationen gehört habe. Für keine seiner Behauptungen lieferte er bislang Belege.

Sogar Trumps Sohn teilt das Video

Jetzt hat sich auch ein millionenfach geklicktes Video, das eine angebliche Wahlmanipulation in Detroit zeigt und sich vor allem in konservativen und rechten Medien verbreitet hat, als falsch herausgestellt. Vermutlich hat auch Trump selbst auf das Video referiert, als er über Wahlunterlagen im Bundesstaat Michigan sprach, die spät nachts geliefert wurden. Zuvor hatte sein Sohn Eric das Video auf Twitter veröffentlicht und mit einem Warnhinweis versehen.

Das Video war zuerst am Mittwoch auf der konservativen Nachrichtenseite Texas Scorecard aufgetaucht. Ein Medium, das laut Selbstbeschreibung „glaubwürdig Fakten in einen Kontext einordnet“, „stets auf Seiten der Bürger“ ist und sich „unerschrocken für die Freiheit einsetzt“.

Aufgenommen hat das Video eine texanische Anwältin, die der Vereinigung „Lawyers for Trump“ angehört. Den zugehörigen Artikel hat ein Journalist geschrieben, der früher Kampagnen für republikanische Politiker*innen geleitet hat und jetzt mit seiner Arbeit „ein Schlaglicht auf konservative Erfolge“ werfen möchte.

Fotograf zieht Equipment für Berichterstattung hinter sich her

Zu sehen ist in dem Video ein Mann, der einen Karren mit einer Box hinter sich herzieht und damit nachts – lange nach Wahlschluss – das TCF-Center in Detroit betritt. In der Mehrzweckhalle wurden zu dem Zeitpunkt Wahlunterlagen gelagert und Wahlhelfer*innen zählten Stimmen aus.

In dem Video ist auch eine Frauenstimme zu hören, sie sagt: „Wo kommt dieser Kerl so spät in der Nacht her? Ich dachte, die Wahllokale seien längst geschlossen. Und doch haben wir hier diese Box.“ Dazu heißt es in dem Texas-Scorecard-Artikel, dass sich in der Box vielleicht Briefwahl-Umschläge befänden. Was zu diesem Zeitpunkt illegal wäre.

Tatsächlich handelte es sich bei dem „Kerl“ um einen Fotografen, der seine Ausrüstung transportierte. Das haben laut CNN mittlerweile Offizielle der Stadt Detroit und der Lokalsender WXYZ, bei dem der Fotograf angestellt ist, bestätigt. Der Investigativ-Reporter Ross Jones schrieb dazu außerdem auf Twitter: „Das war mein Fotograf, der Equipment für unsere Zwölf-Stunden-Schicht dabei hatte.“

Donald Trump und seine Partei haben im Vorfeld der Wahl versucht, Abstimmungen per Briefwahl zu verhindern. Traditionell stimmen eher demokratische Wähler*innen auf diesem Weg ab, weswegen sich in vielen Bundesstaaten die Verhältnisse mit andauernder Auszählung tendenziell zugunsten von Joe Biden verschieben. Stimmen per Briefwahl werden häufig zuletzt ausgezählt. Detroit liegt im US-Bundesstaat Michigan, wo der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden vermutlich knapp als Sieger hervorgegangen ist.

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Auch wenn der Umstand des Videos mittlerweile geklärt ist, bleibt Texas Scorecard auf Nachfrage von CNN bei seiner ursprünglichen Version.

Im Video: Das steht bei der US-Wahl auf dem Spiel